~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Der erste
Teil der Romantriologie „Die Kinder der Kirschblüte – Die Kinder erwachen“
erschien bereits im November 2015 im Self-Publishing des Autors Cardo Polar. Zur
Veröffentlichung des zweiten Teils „Bahlheim“ im September 2016 erschien
ebenfalls ein Doppelband der beide Teile umfasst und dieser Rezension zu Grunde
liegt.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Hanna hasst
ihr Leben und sie hat auch allen Grund dazu, denn für ihre Mitschüler ist sie
ein gefundenes Fressen und ihre Mutter lebt zu sehr in ihrer eigenen Welt um
ihr zu helfen. Der einzige Lichtblick sind ihre Freunde im Internet, mit denen
sie ihre Gedanken und ihr Leid teilen kann. Sie verschwören sich gegen die
feindselige Welt und schmieden Rachepläne. Doch als einer von ihnen diese in
die Tat umsetzt, geht plötzlich alles schief. Ehe sich Hanna versieht ist sie
mit ihren bis dato unbekannten Freunden auf der Flucht vor der Polizei. Doch
nicht nur die haben Interesse an ihr, denn zur gleichen Zeit erwachen Kräfte in
dem Mädchen, die ungeahnte Möglichkeiten bieten, aber auch Gefahren…
Und welche
Rolle spielt Sarah, dass Mädchen aus der Vergangenheit, im Gefüge der Mächte?
Die „Kinder
der Kirschblüte“ sind erwacht, doch werden sie am Ende in unschuldigem Weiß
oder blutigem Rot erblühen?
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover,
Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover
des Doppelbandes ist in der Hintergrundfarbe schwarz gehalten vor dem sich die
weiße Gestalt eines Mädchens in Kapuze umgeben von magentafarbenen Blüten
abhebt. Obwohl nicht viel von der Gestalt zu sehen ist, hebt sich das Bild von
typischen Covergestaltungen ab. Es wirkt düster und geheimnisvoll, was gut zur
Thematik passt. Der Zeichenstil trifft zwar nicht meinen persönlichen Geschmack
(wobei ich das Coverbild noch optisch ansprechender finde als der Druck des
Covers des eigentlichen zweiten Teils im Inneren), dennoch wird er durch seine
Modernität und Einfachheit sicher viele Jugendliche ansprechen.
Die
Kirschblüten kommen leider etwas wenig zur Geltung, obwohl sie ja Namensgebend
sind. Dass es sich dabei um japanische Kirschblüten handelt, was ja wichtig für
die Geschichte ist, erkennt man auch höchstens auf dem Cover des zweiten
Bandes, wo sie sich in erblühter Form zeigen und nicht wie beim ersten eher als
Blutfleck daherkommen. Natürlich besteht auch darin kein von der Hand zu
weisender Zusammenhang, der Bezug zum Titel ist eben nur etwas schwer
herzustellen.
Auch wenn es
mich persönlich nicht zum Kauf angeregt hat, ist das Cover durchaus interessant
und stimmig zur Geschichte.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine
Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Schreibstil:
Wie das
Thema an sich ist auch der Schreibstil sehr modern, locker und jugendlich
gehalten, sodass sich junge Leser sicher problemlos darin wiederfinden und sich
noch leichter auf die Charaktere einlassen können.
Besonders
der Anfang zeichnet sich durch größtenteils kurze, schnell aufeinanderfolgende
Sätze aus, die sehr gut Hannas rasende und zum Teil etwas verwirrte Gedankenwelt
wiederspiegelt. Auch später sind viele Passagen in einem recht zackigen Stil mit kurzen prägnanten Sätzen
gehalten, was spannende Stellen zwar unterstützt, dennoch hätte ich mir oft
noch ein paar mehr erzählende oder beschreibende Elemente gewünscht, um ab und
zu etwas mehr Ruhe reinzubringen. So wirkten einige Szenen doch viel gehetzter,
als sie hätten sein müssen und für mich hatte es den Effekt, dass ich zwar gut
im Lesefluss blieb und das Buch auch erstaunlich schnell durch hatte, mir
allerdings so gut wie keine Formulierungen nachhaltig im Gedächtnis blieb. Und
exzellent geschriebene Passagen gab es durchaus, nur gingen sie leider etwas in
der Schnelllebigkeit des Schreibflusses unter.
Was für
viele junge Leser sicher ein Segen ist, wurde für mich allerdings bald zu einem
Alptraum… die Jugendsprache.
Natürlich
war mir von Anfang an bewusst, dass die sehr moderne Sprache hier durchaus Sinn
und Berechtigung hat, denn immerhin sind die „Kinder der Kirschblüte“
Jugendliche aus dem Hier und Jetzt und ihre Sprache macht sie authentisch und
fassbar. Deshalb konnte ich es auch zum Teil tolerieren. Dennoch rollen sich bei mir leider schon alle
Fußnägel hoch, wenn ich die Jugendlichen auf der Straße so sprechen höre und
bin der Meinung, dass man ihnen wenigstens in Büchern nahe bringen sollte, wie
deutsche Sprache eigentlich geht und sie nicht noch darin bestärken, dass es
vollkommen richtig so ist.
Authentizität
schön und gut, aber irgendwann gingen mir „krass“, „Scheiße“ und „Alta“ so auf
die Nerven, dass bei Verwendung eines dieser Wörter der Charakter automatisch
einen IQ-Punkt verlor. Zum Glück setzte das Wirklich-Nicht-Mehr-Ertragen-Können
erst im zweiten Teil ein, ansonsten hätte die Geschichte lauter
Pantoffeltierchen als Protagonisten gehabt.
Als auch
noch die Polizisten mit bestimmten Artikeln vor Namen anfingen, verlegte sich
die Ausdrucksmesslatte gleich noch in den unterirdischen Bereich.
Und vor
allem stieß mir das so bitter auf, da dies bewusst so gewählt wurde und nicht
etwa aus dem sprachlichen Unvermögen des Autors resultiert, denn oft genug gibt
es großartig geschriebene Absätze mit Bedacht gewählten Formulierungen, die
durchblicken lassen zu was der Autor eigentlich fähig ist. Für meinen Geschmack
hätten diese gern häufiger „krasse Scheiße“ ersetzen können. Aber da dies
wirklich mein ganz persönlicher Geschmack ist und es einen Zweck erfüllt, ist
es dennoch kein extrem schwerwiegender Minuspunkt.
Beim Wechsel
in die Vergangenheitsebene mit Sarah findet zum Glück auch ein Umbruch des
Schreibstils statt, der hier wesentlich ruhiger und erzählender wirkt. Das ist
auch gut um dem Leser schneller zu ermöglichen zu erkennen, welcher Strang
jetzt gerade verfolgt wird, denn nicht immer fallen in den ersten Sätzen Namen,
welche dies kenntlich machen würden. Für mich ist der Unterschied aber
teilweise noch nicht groß genug. Natürlich sind es anfänglich „nur“ 120 Jahre
zeitlicher Unterschied, aber dennoch hätte sich das in der Sprache meines
Erachtens noch deutlicher niederschlagen können. Vor allem da auch ein
„Länderwechsel“ stattfindet und es da schon große Unterschiede in der
Sprachverwendung gibt.
Das darauf
nur bedingt eingegangen wurde, wird aber auch mit der Kürze des Buches
zusammenhängen, denn beim Verhältnis Inhalt/Seiten muss eben irgendwo Abstriche
gemacht werden.
Story:
Mobbing ist
gleichzeitig ein zu aktuelles und großes Thema um es zu ignorieren und dennoch
auch etwas zu heikel um pur serviert zu werden und dabei noch den richtigen Ton
zu treffen.
Mit der
Mischung aus aktuellen Brennpunktthema und Sci-Fi /Fantasy-Elementen schafft
der Autor einen äußerst interessanten Mix, der neben einer spannenden Story
auch genügend Platz für Gesellschaftskritik und Momenten zum Nachdenken lässt.
Auch wenn
die Idee der kräfteverleihenden Artefakte und einer nach Weltherrschaft strebenden
Organisation nicht die Neuste ist, kommt sie von Anfang an gut durchdacht und
interessant umgesetzt rüber. Manche Dinge sind zwar ein bisschen vorhersehbar,
dennoch gelingt es Cardo Polar auch mit einigen überraschenden Wendungen
aufzuwarten, gerade was die Verknüpfung der einzelnen Storystränge betrifft.
Hier ergibt
sich allerdings auch ein kleiner Haken, denn in den beiden großen Themen
Mobbing und die Artefakte, verlaufen sich einige Teilstränge, die zwar stimmig
zusammenpassen, dennoch kommen manche Sachen dabei doch ein wenig zu kurz. Und
gerade beim Mobbing und Rache kann dies nach hinten losgehen, denn Hanna und
ihre Freunde gehen mit den „Kindern der Kirschblüte“ keinen unkritischen Weg.
Sie treten etwas los, von dessen Ausmaß sie keine Ahnung haben und jeder
halbwegs vernünftige Mensch wird schnell erkennen, in was für eine schlimme
Negativspirale sich das Ganze entwickeln kann. Die Zweifel der Charaktere
klingen zwar auch an, dennoch wird bricht leider an einer sehr kritischen
Stelle dieser Handlungsstrang ab und geht nahtlos in den Fantasybereich über,
sodass für meinen Geschmack die Folgen ihres „Wirkens“ nicht gründlich genug
aufzeigt werden. Denn momentan hat es den Status Quo „naja ist schon irgendwie
alles gut gegangen und wir haben ja im Grunde nichts Schlimmes gemacht“, was
für meine Begriffe keinen besonders guten „Vorbildeffekt“ hat. Mir fehlt der
ganz große erhobene Zeigefinger und eine nicht zu ignorierende Warnung die
herüberbringt, dass Rache nichts bringt, so süß sie sich im ersten Moment auch
anfühlen mag. Das wird zwar alles angeschnitten, aber wer selbst von der
Thematik betroffen ist, der wird sich die „Kinder der Kirschblüte“ genauso
wünschen und die negativen Aspekte schlichtweg überlesen, weil sie eben oft nur
nebenbei erwähnt werden.
Natürlich hat der Autor mit so viel Thematik
in der Kürze der Story wirklich etwas Großartiges geschaffen und der Spagat
zwischen den verschiedenen Bereichen ist auch gut gelungen, dennoch hätte ich
mir an manchen Stellen einfach noch eine intensivere Beschäftigung mit allen
Aspekten gewünscht, um es Hieb und Stichfest zu machen und nicht am Ende noch
die eigentlich gewünschte Aussage ins Gegenteil zu verkehren. Aber dann hätte
das Buch wahrscheinlich auch doppelt so lang werden müssen.
Obwohl er mit
etwa 130 Seiten deutlich kürzer ist als der zweite Teil und die Story im Grunde
dort auch richtig an Fahrt aufnimmt, hätte mir der erste Teil allein auch schon
gereicht um mir den zweiten Band schmackhaft zu machen. Natürlich war es schön
gleich weiterlesen zu können, denn es blieben logischerweise viele Fragen offen
(was sich aber auch so gehört, sonst bräuchte man keine Fortsetzung), meiner
Meinung nach kann Band 1 aber durchaus auch für sich stehen.
Mein
persönliches Highlight waren die Kapitel um die „GamesCom“, denn da ich selbst
dort schon mehrfach war, konnte ich mir des Gedankens nicht erwehren: „Ja, die
hast du definitiv schon dort gesehen!“ Da rücken die diesjährigen verschärften
Sicherheitskontrollen doch gleich in ein ganz anderes Licht ;)
Charaktere:
Trotz
thematischer Fülle der Story wurde ganz besonders großes Augenmerk auf die
Charaktere gelegt und obwohl sicher nicht alle sympathisch sind, lernt man sie
doch in ziemlich kurzer Zeit verhältnismäßig gut kennen, auch die
Nebencharaktere.
Hanna steht
natürlich im Mittelpunkt des Geschehens, weshalb ihre Gefühlswelt besonders
explizit dargestellt und damit auch intensiv erlebt wird. Wer auch nur
ansatzweise mit Mobbing in Berührung gekommen ist bzw. nicht nur zu den stupide
vor sich hinlebenden Menschen gehört, wird Hanna bereits nach der ersten Seite
vollkommen verstehen und mit ihr mitfühlen können. Und das obwohl sie für einen
Hauptcharakter erstaunlich passiv und unsicher ist.
Dennoch
erkennt man schon bald eine Charakterentwicklung im nachvollziehbaren Rahmen,
worauf ich immer sehr großen Wert lege.
Trotz des
wenigen Platzes, kommen auch die anderen „Kinder der Kirschblüte“ nicht zu
kurz. Ganz besonders Nicole ist wirklich gut und glaubhaft gestaltet.
Insgesamt
hat mir vor allem auch gut gefallen, dass die psychische Komplexität aller
Charaktere beleuchtet wird und sie eben nicht einfach nur als sich
selbstbemitleidende „Emo-Kinder“ abgestempelt werden. Es wird eindringlich
gezeigt, welche vielfältigen Schäden Mobbing hinterlassen kann und dennoch kann
der Leser sie eben auch als „ganz normale“ Jugendliche begreifen, mit ihren
Stärken und Schwächen.
Mein
persönlicher Liebling ist Sarah. Und obwohl es im Grunde gar nicht nötig
gewesen wäre, dass der Leser auch sie von klein auf kennen lernt, war es
wunderbar so einen wichtigen Charakter nicht einfach vor die Nase gesetzt zu
bekommen und ihre Geschichte in einer kurzen Rückblende zu erfahren, sondern
sie auf ihrem leidvollen Weg zu begleiten und sich ihr damit emotional zu
nähern.
Obwohl fast
alle Charaktere auch ein Klischee bedienen, sind sie alle wirklich tiefgründig
und liebevoll gestaltet, sodass man einfach mit ihnen mitfühlen muss, wenn
einem andere Menschen nicht gerade grundsächlich egal sind.
Fazit:
„Die Kinder
der Kirschblüte“ ist ein wirklich gutes und berührendes Buch, das ich trotz
persönlicher Mankos auf jeden Fall weiter empfehlen werde. Die Verknüpfung des
Mobbing-Themas mit Fantasy macht es zu einer spannenden wie lehrreichen
Lektüre, die an manchen Stellen aber auch mit Vorsicht zu genießen ist.
Ich bin auf
jeden Fall auf den Ausgang der Geschichte gespannt und hoffe auf weitere
interessante Entwicklungen, sowohl storytechnisch, also auch charakterlich.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Im Grunde
können und sollten es vielleicht alle Jugendliche mal lesen, ganz gleich ob
Mobbing für sie ein persönliches Thema ist oder nicht, denn dies heute zu
umgehen ist nahezu unmöglich und hier wird sowohl einfühlsam, als auch
knallhart damit umgegangen und durch die Fantasy-Elemente kann es vielleicht
auch die hintern Ofen hervorlocken, die sich nicht gern mit der Realität
beschäftigen. Vielleicht wäre es sogar das richtige für ein Schulprojekt.
Ich finde 12
Jahre ein wenig früh als Lesealter, aber das kommt sicher auf die Person an.
Auch älteren Lesern ist es durchaus zu empfehlen, man muss sich nur mit der
Jugendsprache arrangieren können.
Taja
von
Nickypaulas Bücherwelt