~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Die Dunkelmagierin“ erschien im Februar 2017 als
Auftakt der „Graue Orden“-Reihe von Arthur Philipp im blanvalet Verlag. Die
fast 600 Seiten umfassende Roman ist im High-Fantasy Genre einzugliedern.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Magie spielte in Fejas einfachem Leben bisher keine
Rolle – bis sie auf der Suche nach ihrem Vater in der Hafenstadt Braake den
Magiern des Grauen Ordens begegnet, die ein besonderes Talent in ihr erkennen. Doch
wie das junge Mädchen schnell merkt, reicht es nicht, bloß mit einer
natürlichen Begabung gesegnet zu sein, wenn man keinen Zugang zu ihr findet.
Dabei wäre es für Feja überaus wichtig, schnell ihre Kräfte zu beherrschen,
denn im Hintergrund braut sich an mehreren Fronten ein Sturm zusammen, in
dessen Auge sie unwissentlich steht.
Um nicht zum Spielball der Mächtigen zu werden, muss
sie sich entscheiden, welchen Weg sie folgen will. Doch birgt das Zwielicht
wirklich mehr Licht als Schatten?
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover von „Die Dunkelmagierin“ kommt mit einer
schwarzen Burgsilhouette vor blaugrauem Hintergrund recht düster und simpel
daher. Es mag neben anderen farblastigeren Einbänden vermutlich etwas untergehen,
spiegelt aber sehr gut die Atmosphäre des Buches wieder. Auch wenn es grafisch
nur durch eine ziemlich auffällige Schrift punkten kann, spricht mich das Cover
als Gesamtwerk durchaus an. Ob es einen reinen Coverkäufer überzeugen kann,
wage ich allerdings zu bezweifeln, was vielleicht aber gar nicht schlecht ist,
da man sich zumindest den Rückentext durchlesen sollte, um zu entscheiden, ob
man mit der Story etwas anfangen kann.
Der Klappentext ist soweit ganz treffend gewählt und
bringt vor allem rüber, dass das Spiel der verschiedenen Mächte einen
wesentlichen Part einnimmt. Es kann also eigentlich keiner behaupten, er wäre
nicht vorgewarnt worden.
Die Karten im Inneren sind gut gestaltet und sehr
hilfreich, denn auch wenn der Haupthandlungsort begrenzt ist, werden so einige
andere Orte erwähnt, bzw. unterstützt die Karte der Graufeste gut die
Beschreibungen.
Da die Karte der Insel Edun allerdings auch auf der
Umschlaginnenseite am Ende gedruckt war und die letzte Seite lückenlos vom
Klappenteil umschlossen wurde, habe ich diese nur durch Zufall bemerkt.
Die Auflistung der Charaktere ist zwar an sich ganz
nützlich, um nicht zumindest grundsätzlich den Überblick zu verlieren, die
Betitelung helfen aber wenig dabei die Verwicklungen im Auge zu behalten. Wer
ein schwaches Namensgedächtnis hat, sollte da lieber auf eigene Notizen
zurückgreifen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Schreibstil:
Am Schreibstil des Buches hatte ich persönlich nichts
auszusetzen. Er wurde durch einen gewählten und durchdachten, dabei aber nicht
zu hochtrabenden Ausdruck, einem klassischen High-Fantasy-Roman gerecht, fand
die richtige Mischung zwischen Umgebungsbeschreibungen, Handlungen und
Gefühlsdarstellungen und blieb dennoch recht gradlinig, sodass ein angenehmer
Lesefluss entstand. Zwar konnte es mich aus eher storytechnischen Gründen nicht
so sehr packen, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte, dennoch ging
die Vielzahl an Seiten erstaunlich schnell vorüber.
Man stößt zwar auf recht viele eigene oder auch mal
nicht so gebräuchliche Begriffe, die aber gut erklärt und so konsequent benutzt
werden, dass man sich schnell an sie gewöhnt.
Insgesamt ist der Schreibstil aber, ohne dass es
negativ behaftet sein soll, eher trocken, was gut zur Geschichte passt. Wer
Humor und Leichtigkeit sucht, ist an der falschen Stelle.
Die Erzählerperspektive ist auktorial und wechselt
zwischen mehreren Personen, was zum einen gut für die Story ist, da sie sich so
sehr komplex entfalten kann und interessant wird, birgt zum anderen aber auch
Nachteile, die später näher erläutert werden.
Story:
In „Die Dunkelmagierin“ lassen sich viele klassische
High-Fantasy Elemente wiederfinden, die allerdings zu einer gelungenen und
interessanten Story verknüpft wurden, wenngleich es ein paar kleine
Schwachstellen gibt, die je nach persönlichen Vorlieben vielleicht auch schwerer
ins Gewicht fallen können.
Obwohl Titel und Klappentext eigentlich etwas anderes
erwarten lassen, spielt in meinen Augen die Magie an sich, tatsächlich nur eine
recht untergeordnete Rolle. Wer sich also eine magische Schulgeschichte, in der
er viel über das Erlernen der Magie mitbekommt, vorstellt, wird wohl enttäuscht
sein, denn auch wenn Fejas Unterrichtsstunden beschrieben werden, fällt dies
verhältnismäßig kurz aus. Ich fand es für das gesamte Storykonzept aber auch
gar nicht so schlimm, denn die Grundvoraussetzungen waren eben nicht gegeben
und somit ist dies durchaus stimmig.
Das Hauptaugenmerk liegt tatsächlich eher auf den
Ränkespielen zwischen verschiedenen Parteien, die in Edun um die Macht ringen.
Der Autor erschafft dabei ein ziemlich komplexes Konstrukt aus Konflikten, die
für mich zwar durchaus schlüssig waren, aber auch stets viel Aufmerksamkeit
forderten, um nicht den Überblick zu verlieren, wer jetzt eigentlich was genau
möchte.
Zwangsläufig ergab sich dadurch auch der Einsatz von
einer hohen Anzahl an Handlungsträgern, bei der man ebenso aufpassen musste
nicht den Überblick zu verlieren. Da ich ein ziemlich gutes Namensgedächtnis
habe, fiel mir das nicht so schwer. Wer aber generell damit Probleme hat, der
sollte sich am besten gleich eine kleine Liste mit Personen und ihren Zielen
anlegen, denn die bloße Aufzählung der Dramatis Personae im Klappeninnenteil
hilft nur bedingt beim Verstehen des Machtgefüges. Die Mühe lohnt sich
allerdings wirklich, denn auch wenn das Geflecht aus Konflikten und Intrigen
zunächst etwas verwirrend erscheint, ist es sehr intelligent geknüpft und macht
wirklich Spaß zu durchschauen. Vor allem hat es mir sehr gefallen, dass
verschiedene Personen, die sich selber als Fädenzieher sehen, doch den ein oder
anderen Rückschlag einstecken und umplanen mussten, was das Ganze viel
realistischer macht. Besonders gut umgesetzt, fand ich den ständig
unterschwellig brodelnden Konflikt zwischen dem „Urvolk“ und den „Besetzern“, der
als Nährboden für einige Stränge dient und der durchaus in so manche heutige
Situation übertragbar ist. Das Buch bietet also auch jede Menge Stoff, der zum
Nachdenken anregt, man muss nur gewillt sein sich darauf einzulassen.
Dies gilt ebenso für den schon so oft thematisierten
Konflikt zwischen Gut und Böse. Dem Leser wird schnell klar, dass die
Entscheidung zwischen Licht und Schatten ein zentrales Thema im Buch ist, aber ebenso
schnell wird klar, dass dies gar nicht so einfach ist, denn Arthur Philipp
schafft es ganz hervorragend darzustellen, dass Gut und Böse ganz eindeutig
eine Frage der Definition und des Sichtwinkels ist.
So ergibt sich auch die Spannung des Buches eher aus
dem Gegenspiel der verschieden Ansichten und den Machtkonflikten, anstatt aus
vielen Ereignissen. Es gibt zwar hin und wieder Wendepunkte, so richtig Fahrt
auf nimmt die Story aber erst in den letzten 100 Seiten.
Sehr überzeugt hat mich auch das Weltenkonzept. Obwohl
es wirklich ziemlich komplex ist, hatte ich zu jeder Zeit das Gefühl, dass der
Autor alles gründlich durchdacht hat und auch wenn man als Leser nicht völlig
hinter das System der Monddeutungen oder der politischen Wirren steigen kann,
machte es für mich zu jedem Zeitpunkt einen logischen Eindruck und ich fand
kaum eine Stelle, die das Bedürfnis erweckte sie zu hinterfragen. Und das
passiert bei mir sehr selten.
Charaktere:
Eine komplexe Geschichte bringt meist auch eine
Vielzahl an Charakteren mit sich, die der Autor in meinen Augen sehr
realistisch, wenngleich nicht ganz unproblematisch umgesetzt hat.
Protagonistin ist im Grunde die etwa 14-jährige Feja,
doch ihr Anteil an vielen Handlungssträngen ist gar nicht so groß wie erwartet.
Zum einen ist dies sehr gut, weil somit gut
dargestellt wird, wie sich alles in ihrem Rücken zusammenbraut, ohne dass sie
auch nur den Hauch einer Ahnung hat, was gerade vor sich geht und so deutlich
wird, dass sie lediglich als Schachfigur fungiert. Bis zum Schluss steigt sie
gerade mal ansatzweise hinter das Intrigenspiel, was aber sehr glaubhaft für
ihren Charakter ist, denn tatsächlich ist sie zwar nicht auf den Kopf gefallen,
aber in vielerlei Hinsicht nicht besonders weitsichtig.
Insgesamt ist Feja tatsächlich kein so
unproblematischer Hauptcharakter, wie man anfangs vielleicht vermuten mag, denn
ihre einfache und direkte, wenngleich etwas naive Art macht sie zunächst durchaus
sehr sympathisch. Zudem wird auch schnell klar, dass sie ebenso Eigenschaften
wie Mut, Neugier und einen starken Willen ihr Eigen nennen kann, was sie
eigentlich zum Protagonist macht, den man gern begleitet. Allerdings verkehren
sich diese positiven Eigenschaften recht schnell ins Negative, denn aus einem
starken Willen wird Starrsinn, aus Mut Leichtsinn und ihre nicht zu zügelnde
Neugier bringt sie mehr als einmal in wirkliche Schwierigkeiten. Und dennoch
lernt sie nur selten aus diesen Rückschlägen.
Noch dazu kommt, dass man durch die vielen anderen
Handlungsstränge recht wenig Zeit mit Feja verbringt und sich bei mir keine
rechte Nähe einstellen wollte. Zwar habe ich in Hinblick auf ihre Charakterdarstellung
ihre Reaktionen und Entscheidungen durchaus nachvollziehen können, allerdings
entbehrten sie oft der Logik eines gesunden Menschenverstandes, was es für
manchen Leser vielleicht schwierig machen kann, mit ihr klar zu kommen. Selbst
ich konnte trotz des rein rationalen Verständnisses für ihr Handeln absolut
kein Mitgefühl entwickeln, wenn ihr schlimme Dinge widerfuhren, da sie sich
dies zum Großteil alles selber eingebrockt hat. Das war etwas schade, ich hoffe
aber auf eine Veränderung im nächsten Teil, die sich ja bereits andeutet.
An sich ist Feja also durchaus glaubhaft dargestellt,
nur vielleicht nicht unbedingt ein Charakter mit dem jeder klar kommt.
Auch die anderen Personen sind alle sehr gut und
realistisch getroffen, vor allem, da man bei allen schnell merkt, dass sie
mehrere Gesichter haben, was der Geschichte viel Spannungspotenzial bietet,
denn man kann die Handlungen eben selten klar voraus sehen. Gerade einige
Charaktere von denen man es so nicht erwartet hätte, haben Überraschungen zu
bieten, ohne dabei unglaubhaft zu werden.
Fazit:
Für mich war „Die Dunkelmagierin“ ein sehr gutes Buch,
mit einem interessanten und stimmigen Weltkonzept, einer intelligenten Story
und glaubwürdigen Charakteren. Die Machtspiele zu verfolgen hat mir persönlich
sehr viel Spaß gemacht, dennoch konnte mich die Gesichte rund um Feja weder
emotional erreichen, noch wirklich so fesseln wie erhofft, weshalb ich das Buch
nicht zu meinen absoluten Lesehighlights zählen kann. Dennoch würde ich den
zweiten Teil gern lesen, auch um zu sehen, wie sich die Protagonistin
entwickelt und wie sich der Kampf von Licht und Schatten letztendlich
entscheidet.
Auf Grund der kleinen Mängel vergebe ich 4 von 5
Sternen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Wer sich von Ränkespielen in einem komplexen
Storykonzept nicht abschrecken lässt und ein eher ruhigeres Handlungstempo mag,
der wird an „Der Dunkelmagierin“ seine Freude haben.
Meine Empfehlung des Lesealters wäre frühestens ab 14
Jahren, wobei man eben zum Teil etwas Weitsicht braucht, um alles verstehen zu
können, weshalb sich eine Leserschaft ab 20 Jahren vielleicht noch mehr
angesprochen fühlen wird, auch wenn die Protagonistin recht jugendlich ist.
Taja
von Librellis ehemals
Nickypaulas Bücherwelt