~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Die
Prophezeiung“ ist ein Fantasy-Jugendroman und der Auftakt zur „Die Wächter von
Avalon“- Triologie der deutschen Autorin Amanda Koch, erschienen 2013 im familia
Verlag.
Auch wenn
Avalon bereits Inspirationsquelle für zahlreiche Fantasywerke war und die Meisten
sicher schon das ein oder andere davon gelesen haben, sollte dies nicht davon
abhalten „Die Wächter von Avalon“ zu lesen, denn das Buch stützt sich nur in
den Grundzügen auf den klassischen Avalon- und Merlinmythos und erzählt sonst
eine weitgehend eigenständige Geschichte.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Wie viele Jugendliche
ihres Alters fühlt sich Esmé in ihrem Leben einsam und fremd. Doch bei ihr
begründet sich dieses Gefühl weniger auf eine jugendliche Identitätskrise,
sondern auf der unbestimmten Ahnung, dass etwas Magisches nach ihr ruft, denn
immer wieder sieht sie in ihren Träumen einen seltsamen, unbekannten Ort und
einen ebenso geheimnisvollen jungen Mann, der ihr dennoch unglaublich vertraut
vorkommt.
Ein Ereignis
aus der Vergangenheit bringt sie schließlich auf die Spur von Raven Sutton.
Doch die Suche nach ihm, wird auch zur Suche nach ihrem wahren Selbst und einer
Bestimmung, die nicht nur ihre beiden Leben für immer verändert.
Denn dunkle
Mächte werfen ihre Schatten auf die heilige Insel Avalon und die magische Welt
Amaduria, denen nur die Wächter von Avalon Einhalt gebieten können.
Doch dazu brauchen sie Esmés Hilfe. Wird sie
ihrem Schicksal vertrauen und die Prophezeiung der Lichtelfen erfüllen können?
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover,
Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover
aller drei Bände ist vom Grundkonzept gleich aufgebaut, was ein schönes
Gesamtbild liefert. „Die Prophezeiung“ ist in einem schönen, mystischen Grün
gehalten, denn die Farbe spielt auch im Buch eine entscheidende Rolle, wobei
ich es mir tatsächlich noch einen wenig smaragdgrüner gewünscht hätte. Die
sonstige Gestaltung ist aber sehr gelungen, denn der nur vage angedeutete, mit
keltischen Mustern verzierte Torbogen wird praktisch von einem dunkleren
Streifen zerrissen, auf dem das in mythisches Licht getauchte Gesicht einer
jungen Frau, ein schwarzer Adler, ein bedrohlicher Reiter (der zwar ein
bisschen zu sehr an die Nazgul aus Herr der Ringe erinnert, aber naja) und im
Auslauf auf dem Buchrücken ein grünschimmernder Mond dargestellt sind. Damit
spiegelt es für mich Esmés innere Zerrissenheit wieder und gibt mit den
Symbolen einen kleinen Ausblick, auf die Geschehnisse im Buch, ohne zu viel zu
verraten.
Es wirkt auf
jeden Fall sehr durchdacht gewählt und macht trotzdem neugierig.
Auch die
Klappentexte sind informativ, ohne zu viel zu vorweg zu nehmen und schüren auf
jeden Fall die Neugier.
Praktisch
ist auch die Ahnentafel im Anhang, die einen Überblick über Merlins Ahnenreihe
gibt, sodass man bei gelegentlich fallenden Namen auch eine gute zeitliche
Einordnung hat.
Allerdings
hätte ich mir auch eine Karte Amadurias gewünscht, wie ich sie im Anschluss
beim Reinschielen in Band 2 finden konnte, denn es werden so oft Orte genannt,
dass es schön wäre sie in geografischen Bezug setzen zu können, denn ansonsten
fiel es mir teilweise etwas schwer mir Amaduria bildlich vorzustellen und die
Namen gerieten etwas in Vergessenheit.
Oder, falls
das einfach schon zu viel verraten hätte, eine Karte Britanniens, denn auch
hier fallen so viele Namen, die man nicht schon hundert mal gehört hat und
damit auch nicht einfach einordnen kann und ich bin jemand, der Reiserouten
gerne nachvollzieht bzw. es dann einfach noch realer wirkt, wenn es schon zum
Teil in der hiesigen Welt spielt.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine
Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Schreibstil:
Amanda Kochs
Schreibstil ist an sich sehr schön und kann durchaus fesseln, aber leider ist
er nicht ganz konstant, was an mehreren Dingen liegt.
Zum Teil
schreibt sie sehr malerisch mit vielen Beschreibungen und auch Symboliken, wo
man schon nicht nur flüchtig drüber lesen sollte, um es zu verstehen, zum Teil
aber auch manchmal erstaunlich nüchtern und fast distanziert. Und das Problem
daran ist eigentlich, dass dies nicht immer situationsgerecht wechselt, sondern
ohne jeglichen Grund.
Für ein
Jugendbuch fand ich auch manche Ausdrücke teilweise etwas zu getragen. Mir
haben sie zwar keine Verständnisprobleme bereitet, dennoch fielen sie auf, weil
sie eher weniger in den heutigen Sprachgebrauch gehören. Ich habe zwar an sich
überhaupt nichts gegen die Verwendung solcher Wörter, denn man kann sich ja
auch mit den Büchern weiterbilden, bin mir aber nicht sicher, inwieweit junge
Jugendliche damit zurechtkommen, weshalb ich die Alterseinstufung nicht allzu
jung ansetzen würde.
Was mir aber
leider wirklich manchmal den Lesefluss völlig ruiniert hat, waren plötzliche
Sichtwechsel. Auktorialer Erzähler an sich wunderbar, man bekommt verschiedene
Perspektiven mit und lernt mehr Charaktere gut kennen. Sichtwechsel auch
innerhalb einer Situation – völlig ok, wenn auch hier manchmal etwas holprig
vom Übergang. Was aber gar nicht ging, waren Situationswechsel von einer Zeile
zur nächsten ohne jegliche Vorwarnung. Kein Absatz, kein erkennbarer Abschluss
der vorherigen Situation und plötzlich war man an mit einer anderen Person, an
einem anderen Ort… Ich musste manche Szenen wirklich zwei- oder dreimal lesen,
weil ich den Zusammenhang nicht begriff. Um dann mitzubekommen, dass es gar
keinen gab. Manchmal waren Personen einfach da und manchmal waren sie plötzlich
weg und in mir bildete sich öfter das Gefühl etwas verpasst zu haben. Was
wirklich schade ist, denn mit ein oder zwei Sätzen mehr oder einem Absatz an
diesen Stellen, hätte das ganze vermieden und der Lesefluss gewahrt werden
können.
Trotzdem hat
das Buch auch viele sehr schön geschriebene Stellen und die genannten
Kritikpunkte haben mich zu keiner Zeit dazu bewogen das Buch nicht mehr weiter
lesen zu wollen.
Aufbau und Storykonzept:
„Die
Prophezeiung“ ist noch einmal in weitere Abschnitte gegliedert, da sie zum Teil
recht lang sind und inhaltlich meistens einen passenden Schnitt setzen, würde
ich sie auch tatsächlich als Solches betiteln und nicht als Kapitel. Ich war
auch ganz dankbar für diese Unterteilung, denn der erste Abschnitt war doch ein
kleiner Kampf und ich war sehr froh, dass sich dann plötzlich ein weiterer
Handlungsstrang fern von Esmé ergab, der sich dann auch gleich mehr auf die
eigentliche Thematik bezog und mehr mein Interesse erweckte. Danach fiel es mir
nicht mehr ganz so schwer in die Geschichte reinzukommen, auch wenn ich zugeben
muss, dass sie mich bis zum Schluss nicht wirklich fesseln konnte. Dabei finde
ich das Grundkonzept eigentlich sehr gut, vor allem, weil es sich zwar auf
Avalon und den Merlinmythos stützt, aber die Verbindung zu der eigenen
magischen Welt Amadurias schafft, sodass es eben kein Abklatsch der hundertsten
„Priesterinnen von Avalon“-Geschichte ist, sondern neue Pfade beschreitet. Da
ich mich ein wenig mit der Avalon-Thematik auskenne, waren damit verbundene
auftauchende Begriffe kein Problem. Wie es Anderen ergeht, die damit noch gar
nichts zu tun hatten, kann ich nicht einschätzen. Etwas schwieriger fand ich
dann doch die ganzen Amaduria-eigenen Orte und Begriffe, da sie entweder so
gebündelt kamen, dass ich nur schwer den Überblick behielt (vor allem da keine
Karte da ist) oder so vereinzelt, dass mir der Zusammenhang fehlte. Aber wenn
man einmal hinter das System mit den Toren ect. gestiegen ist, macht Amaduria
eigentlich einen gut durchdachten und interessanten Eindruck und bieten viel Platz für eine
weitgreifende, stimmige Handlung.
Eine nicht
ganz unwesentliche Bedeutung nimmt die Liebesgeschichte zwischen Esmé und Raven
ein. Ich bin kein großer Fan von Liebesgeschichten und hatte arge Bedenken als
ich Esmés erste Traumbegegnungen mit Raven las, denn die waren nahezu
brechreizerregend kitschig. Ich finde es zwar schöner, wenn sich Liebe
natürlich entwickelt und nicht nach dem „Ihr seid füreinander bestimmt und wenn
ihr euch erst begegnet, werdet ihr unzertrennlich sein“-Schema abläuft, es
hielt sich hier aber in ertragbaren Grenzen und auch wenn ab und an etwas
schnulzige Szenen dazwischen waren, haben die Charaktere zum Glück nicht ganz
ihren Verstand und das eigentliche Ziel aus dem Auge verloren. Und da sie
natürlich zum Grundkonzept gehört ohne die Manches nicht so funktionieren
hätte, war es in Ordnung. Bleibt zu hoffen, dass es in den folgenden Bänden
nicht Hauptinhalt wird.
Einen
Spannungsbogen habe ich zwar erkennen können, viele Stellen waren auch sehr
interessant und gut konzipiert, dennoch hat es die Geschichte nicht geschafft,
einen magischen Bann um mich zu weben. Für meinen Begriff war das Ende dann
auch ziemlich schnell und etwas unspektakulär.
Und obwohl
ich die Geschichte im Grundkonzept sehr gut fand, gab es doch hin und wieder
Stellen, an denen ich die Handlungen der Charaktere absolut nicht
nachvollziehen konnte, weil vergessen wurde zu erwähnen, warum sie es tun.
Natürlich war mir klar, warum das Geschehen musste, aber es ergab oft keinen
Sinn warum es jetzt gerade dieser Charakter war, der die Handlung vollzog. Ein
oder zwei Sätze dazu und alles wäre stimmig gewesen, aber so war es unlogisch
und verfälschte das Bild zu den Charakteren, was zum Teil ein wenig schade war.
Charaktere:
„Die Wächter
von Avalon“ ist als auktorialer Erzähler verfasst, der zwar tatsächlich oft
sehr nah an den beiden Protagonisten bleibt, aber auch nebenbei immer wieder
kurz zu anderen Personen wechselt und ihre Gedanken erläutert, wobei man es
sich bei Manchen auch hätte ersparen können, denn z.B. die Reaktionen und
Gedanken von Esmés Eltern sind so typisch, dass man sie auch so ohne Weiteres
hätte erraten können und sie auch nicht wirklich essentiell für die Geschichte
sind. Aber das ist wohl persönlicher Geschmack.
Esmés
Gedanken-und Gefühlswelt ist immer wieder ausführlich dargestellt, sodass man
sie am besten kennenlernt… was allerdings auch zum Problem werden kann, wenn
einem ausgerechnet sie völlig unsympathisch ist. Eigentlich habe ich überhaupt
kein Problem mit eher etwas ruhigeren, nachdenklichen, ja auch melancholischen
Charakteren, ich mag sie sogar lieber als sehr Aufgedrehte, aber je mehr ich
über Esmé erfuhr bzw. vor allem je mehr sie handelte, desto deutlicher kam für
mich nur eines herüber – ihr Egoismus. Nicht falsch verstehen, ich kann ihre
Gefühle, die Einsamkeit, das Sich-Fremd-Fühlen, das Sehnen nach Antworten ect.
wirklich sehr gut nachvollziehen, aber die Art und Weise wie sie an die Dinge
heran geht und sich Anderen gegenüber verhält, ist mehr als egoistisch. Trotz
ihrer ja plötzlich so geschärften Intuition für die Gefühle ihrer Mitmenschen,
trampelt sie vor allem auf denen ihrer Familie gehörig herum und Themen sind
auch nur solange interessant, wie sie erhoffen kann ihre Antworten dabei zu
finden. Dass es für andere ebenso wichtig sein kann, ist anscheinend völlig
egal.
Auch stört
mich etwas, dass sie zwar erst die ganze Zeit auf Teufel komm raus alles daran
setzt endlich dieses seltsame Gefühl zu verstehen und sich dann auch ein bisschen
zu schnell, zu definiert sicher ist, dass es etwas Magisches sein muss, als sie
dann aber ihre wahre Bestimmung erfährt und das ganze plötzlich Verantwortung
mit sich bringt, sie eigentlich nur noch am Jammern und Zweifeln ist, dass sie
nicht die Richtige sein kann und dass sie versagen wird. Auch tut sie wenig
selber dafür, dass sich ihr wahres Ich nun offenbart, sondern muss eigentlich
die ganze Zeit in die richtige Richtung geschubst werden.
Kurz um,
denn ich könnte wohl noch weitere Seiten nur zu ihr füllen – Esmé hat mich wirklich furchtbar genervt
und ich war dankbar für jedes Kapitel, dass nicht sie als Haupthandelnde hatte.
Aber ich hege große Hoffnungen, dass sie sich vielleicht nach ihrer Wandlung endlich
mal zusammen reißt und in Band 2 sehr viel erträglicher wird.
Dagegen war
mir tatsächlich der männliche Hauptcharakter Raven einmal ganz angenehm, da
zwar immer wieder angedeutet wird, dass er wohl etwas Besonderes ist und eine
Sonderstellung gegenüber seinen Geschwistern einnehmen wird, das auch weiß,
aber es nicht heraushängen lässt, wie ich zunächst vermutete. Ich hoffe sehr
stark, dass dies auch so bleibt.
Alle anderen
Charaktere werden zwar nicht besonders intensiv vorgestellt, es reicht aber für
ein erstes Kennenlernen und Abschätzen, wen man mag und wen nicht und ist für
die Rahmenhandlung in diesem Ausmaß für meine Begriffe völlig ausreichend. Und
ich muss sagen bis auf Esmé waren mir alle recht sympathisch und hoffe sie in
den folgenden Bänden besser kennen zu lernen. Vor allem wäre es schön, wenn
auch die weiblichen Charaktere nicht mehr ganz so schwächlich herüber kommen
und aktiver ins Geschehen eingreifen würden.
Fazit:
Auch wenn
mich Band 1 der „Wächter von Avalon“ nicht vom Hocker gerissen hat, ist es doch
eine solide und im Konzept gelungene Fantasygeschichte, deren Ausgang ich vor
allem der Handlung wegen gerne weiter verfolgen werde. Potenzial hat das Buch
auf jeden Fall, auch wenn es an manchen Stellen ein paar Stolpermenhire gibt ;)
Vermutlich kann man sich auch wesentlich
besser von der Geschichte fesseln lassen, wenn man die Protagonistin mag und
das wird bestimmt einigen so gehen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Auf jeden
Fall natürlich allen High-Fantasy-Fans, denn auch wenn es zum Teil in der
realen Welt spielt, liegt das Augenmerk doch eher auf Avalon und Amaduria. Man
sollte auch kein absoluter Gegner von vorherbestimmten Liebesgeschichten sein,
denn um die kommt man einfach nicht herum.
Taja
von
Nickypaulas Bücherwelt
Eine Videorezension folgt nach Abschluss
der gesamten Reihe
