~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Henry Smart – Im Auftrag des Götterchefs“ ist der
Auftakt zu einer Fantasy-Abenteuerreihe von SPIEGEL-Bestsellerautorin Frauke
Scheunemann und erschien am 25. September beim Oetinger Verlag. Das Buch
verbindet die Sagenwelt der nordischen Götter mit Agentenfeeling und einer
Brise Humor, und richtet sich an Leser ab 10 Jahren.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Sommerferien können so schön sein – wenn man sie nicht
gerade in einer kleinen Pension im deutschen „Kaff“ Bayreuth verbringen muss.
Dorthin hat es den 12-Jährigen Amerikaner Henry Smart verschlagen, da sein
Vater einen Job bei den Wagner-Festspielen angenommen hat.
Als sich Henry jedoch eine Pizza bestellt, löst er
damit nichtsahnend eine Kette von Ereignissen aus, die ihn direkt vor das
richtende Auge des Gottes Wotan bringt. Und ehe sich Henry versieht, ist er im
Auftrag des Götterchefs unterwegs, um einen machtgierigen Zwerg daran zu
hindern, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
In Begleitung von Walküre Hilda und dem strahlenden
Helden Siegfried rutscht Henry von einem Abenteuer ins nächste und bekommt
dabei mehr Geschichtsunterricht als ihm lieb ist.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover des ersten Bandes der „Henry Smart“-Reihe
ziert ein von oben, in einen Kreis aus drei etwas düster wirkenden Gestalten,
herabfallender Junge und symbolisiert damit sehr gut den „Sturz“ des Helden ins
ungewollte Abenteuer. Die untere Hälfte wird von einem Mann hünenhafter Statur
vereinnahmt, der einen etwas skeptischen Blick auf den Herabfallenden wirft.
Sowohl in Farbgebung, als auch Haltung, stellt er seine Dominanz zur Schau,
sodass recht schnell klar ist, wer hier der „Chef“ ist.
Das Cover spiegelt damit den Buchinhalt gut wieder und
gibt auch durch einen leicht comichaften Touch, Hinweise auf den witzigen
Grundtenor der Geschichte.
Durch die herausstehende Prägung des Buchtitels und
einiger Bildabschnitte ist das Cover hier nicht etwas fürs Auge, sondern auch
für die Hände.
Auch wenn der Zeichenstil nicht unbedingt meinen
Geschmack trifft, ist es auf jeden Fall ein echter Blickfang und wird bei der
Zielgruppe mit Sicherheit gut ankommen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Schreibstil:
Die Geschichte ist im Präsens geschrieben und wird vom
Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählt.
Obwohl beides in Kombination nicht gerade meine
Lieblingsperspektive ist, war der Schreibstil angenehm und flüssig. Die 280
Seiten ließen sich recht schnell lesen und es dürfte auch jüngeren Lesern nicht
schwer fallen, der Geschichte zu folgen. Durch humorvolle Szenen und Kommentare
wurde versucht, der Story noch mehr Dynamik zu verleihen. Während die anvisierte
Altersgruppe sicher ihre Freude an den kleinen Wortduellen der Charaktere haben
wird, trafen diese leider nur sehr selten meinen Humor. Ich konnte zwar
durchaus ab und an schmunzeln, fand aber viele auf witzig getrimmte Dialoge zu
übertrieben oder einfach an die falsche Stelle gesetzt, sodass sie die Handlung
eher in die Länge zogen, als sie in der Dynamik zu unterstützen.
Obwohl der Schreibstil im Allgemeinen gut zur Sicht
eines 12-Jährigen passte und man als Leser damit schnell Bezug zum Protagonisten
Henry bekam, waren für mich manche Beschreibungsparts nicht ganz stimmig, da
öfters Begriffe benutzt wurden, die garantiert nicht zum Wortschatz eines
Jungen dieses Alters gehören, auch wenn Henry ein cleveres Bürschchen ist.
Ich bin der Autorin allerdings sehr dankbar, dass sie
trotz der jungen Zielgruppe und eines locker-witzigen Stils, nicht zu sehr in
die heute vorherrschende Jungendsprache verfallen ist und damit ein gutes
Sprachvorbild gibt.
Story:
Witzige Geschichten rund um die verschiedenen
Götterwelten gibt es zur Zeit einige. Frauke Scheunemann hat versucht mit ihrer
Geschichte um Henry Smart der germanischen Mythologie und ihrer Sagenwelt neues
Leben einzuhauchen. Dies ist zum Teil auch gut gelungen, denn die Autorin
verpasst dem bisher weniger relevanten Themenkomplex der Nibelungensaga ein
neues Gewand und bindet dabei auch gleich andere Mythen und deren Gestalten in
einer Neuinterpretation ein. Das Grundkonzept birgt also jede Menge Potenzial
für eine längerfristig interessante und abwechslungsreiche Geschichte.
Leider war die Mischung aus Göttergeschichten und
Agentendasein nicht ganz mein Geschmack. Auch wenn die Probleme eines solchen
Abenteuers gut bedacht und mit verschiedenen Gimmicks gelöst wurden, war es mir
an mancher Stelle fast schon ein wenig zu viel Technik, auf dass ich mich
fragte, warum es überhaupt die Verknüpfung mit der Götterwelt sein musste. Es
ist durchaus eine interessante Kombination, nur traf es nicht ganz meinen Nerv
und ich hätte mir an manchen Stellen noch ein wenig mehr Kreativität gewünscht.
Außerdem blieben an manchen Stellen einige Logikfragen
für mich offen, die doch das Lesevergnügen etwas beeinträchtigten. Das jüngere
Publikum wird davon vielleicht nicht so viel mitbekommen, sodass dieser Punkt nicht
weiter ins Gewicht fallen soll.
Ein wenig hadere ich auch mit dem Spannungsbogen, denn
für mich nahm es doch erst im hinteren Drittel richtig Fahrt auf.
Lobenswert ist allerdings die Einbindung vieler
geschichtlicher Ereignisse, die im neuen Licht präsentiert werden und neben der
beiläufigen Vermittlung von Fakten, vielleicht auch weiterführendes Interesse
bei den Lesern wecken können.
Charaktere:
Im Großen und Ganzen ist Frauke Scheunemanns
Heldentruppe gut konzipiert und interessant zusammengestellt, sodass bestimmt
jeder schnell einen Charakter findet, den er besonders gern mag.
Die Konstellation des cleveren Menschenjungens Henry,
der taffen Hilda und des viel zu sehr von sich überzeugten Heldens Siegfried,
verspricht auch jede Menge Spannung auf zwischenmenschlicher Ebene. Die
witzigen Plänkeleien frischen die Handlung auf, für meinen Geschmack kamen sie
aber öfter an der falschen Stelle und trugen dazu bei, dass sich in meinen
Augen nicht immer ein klares und stimmiges Charakterbild ergab.
Oft hatte ich deshalb das Gefühl, dass die
Protagonisten mit ihren Charaktereigenschaften nicht die Initiatoren des
Handlungsverlaufes waren, sondern sich in ihren Reaktionen dem geplanten
Geschehen beugen mussten.
Gerade bei Henry fiel es mir zunehmend schwerer ihn
einzuschätzen, da sein Verhalten in manchen Situationen in meinen Augen absolut
unpassend war. Obwohl er am Anfang durch seine nette Art und lockere Haltung
ein sehr angenehmer Held zu werden schien, kam er mir gegen Ende viel, viel
zickiger vor, als die als Zicke verschriene Hilda. Leider konnte ich mit Henry
bis zum Schluss nicht wirklich warm werden, was ein wenig das Lesevergnügen
minderte.
Ich denke trotzdem, dass die angestrebte Zielgruppe
einen guten Bezug zu Henry finden und ihn gern durch sein Abenteuer begleiten
wird.
Fazit:
Obwohl ich auch im Bereich der Jugendbücher sehr gerne
diejenigen mit Götter/Sagenthematik lese, vor allem wenn sie mit Humor gewürzt
sind, konnte mich der erste Band der „Henry Smart“-Reihe nicht vollends
überzeugen, was zum einen am Protagonisten selber und zum anderen daran lag,
dass mich Schreibstil und Handlungsverlauf nicht so sehr fesseln konnten, dass
ich nicht begonnen hätte, Dinge zu hinterfragen, auf die es dann nicht immer
eine ganz schlüssige Antwort gab.
Es gibt trotzdem sehr viele gute Aspekte im Buch und
für Kinder ist es sicher ein unterhaltsames Abenteuer. Mich als erwachsenen
Leser konnte es, vor allem im Vergleich zu anderen Werken dieser Thematik,
leider weniger abholen. Daher kann ich nur 3,5 von 5 Sternen vergeben.
Zum Weiterlesen würde mich allein die Neugier auf die
Umsetzung weiterer Sagen bewegen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Für junge Leser ab 10 (vielleicht sogar schon etwas
eher), die gerne in humorvolle und actionreiche Geschichten mit mythologischem
Hintergrund eintauchen, ist „Henry Smart“ durchaus empfehlenswert. Ob es einer
älteren Leserschaft ab 16 Jahren genauso Freude bereitet, wage ich allerdings
nicht zu verallgemeinern.
Taja
von den Librellis (ehemals Nickypaulas Bücherwelt)
