~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Die Katze
des Dalai Lama“, geschrieben von David Michie erschien in der deutschen Ausgabe
2014 beim Lotos-Verlag und gibt einen kleinen Einblick in buddhistische
Lebensweisheiten. Und obwohl spirituelle Themen sicher nicht für jeden etwas
sind, sollte man diesem Buch eine Chance geben, denn dank der liebenswerten
Protagonistin bleibt vielleicht auch bei dem, der dies als Humbug abtut, ein
sanfter geistiger Pfotenabdruck zurück, der zu neuen Sichtweisen anregt.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
In den Slums
von Neu-Dehli ist jeder Tag ein Überlebenskampf – das muss auch ein
neugeborenes Kätzchen feststellen, dass seiner Mutter viel zu früh entrissen
wird. Doch das Schicksal meint es gut mit ihr und so landet sie statt in einer
Mülltonne, in den wärmenden Armen des Dalai Lama, der sie fortan liebevoll groß
zieht. Und obwohl sie ein sorgenfreies Katzenleben führen kann, so lassen sie
die buddhistischen Unterweisungen ihres neuen Behüters recht bald erkennen, dass
auch eine Katze mehr zu einem wahrhaft glücklichen Leben braucht, als einen
warmen Schlafplatz und einen vollen Futternapf.
Doch obwohl
sie im Grunde an der Quelle sitzt, ist auch für die Katze seiner Heiligkeit die
Umsetzung der Lebensweisheiten nicht immer ganz so einfach und so begibt sie
sich zusammen mit den zahlreichen Besuchern – natürlich völlig diskret
behandelte Berühmtheiten- seiner Heiligkeit auf Erleuchtungssuche.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover,
Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Die
neugierig und doch geheimnisvoll funkelnden blauen Augen des Himalaya-Kätzchens
lässt wohl jedes Katzenliebhaberherz höher schlagen und verführt allein dadurch
sicher schon den ein oder anderen zum Kauf. Aber auch wer sich nicht vom
Kindchenschema beeinflussen lässt oder Katzen noch nicht einmal mag, dem dürfte
durch Titel und Cover ein wenig die Hemmschwelle, die spirituelle Bücher doch
bei manchen gern auslösen, gesenkt werden, denn Katzen, so rätselhaft sie einem
auch sein mögen, sind etwas Greifbares aus dem alltäglichen Leben, sodass trotz
aller Spiritualität, dennoch immer eine Verbindung zur „Realität“ besteht.
Auch die lockeren
und witzig angehauchten Klappentexte erzeugen ein Gefühl von Normalität und
nehmen etwas von der Zurückhaltung bei der Begegnung mit dem Buddhismus.
Der Rest des
Buches, sowohl der Hintergrund des Covers, als auch die Schriftgestaltung ist,
abgesehen von den süßen Pfotenabdrücken am Anfang jedes Kapitels, sehr schlicht
gehalten, was den Fokus zum einen auf die Protagonistin lenkt zum anderen die
Schlichtheit und Klarheit der buddhistischen Lebenseinstellung sehr gut
widerspiegelt.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine
Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
In der
heutigen Zeit sind Religionen nicht selten Diskussions- und Brennpunkt, nicht
zu letzt weil jeder der Meinung zu sein scheint, dass seine Ansichten die
einzig wahren sind. In dem oft sehr „lauten“ Wettstreit geht eine meist sehr
unter – der Buddhismus. Denn im Gegensatz zu vielen anderen ist er nicht
aufdringlich, heischt nicht um eine möglichst große Zahl von Anhängern und wenn
ich irgendwem abnehme, dass es nur um das Wohl und das Glück des Einzelnen,
sowie der gesamten Menschheit geht, dann den Lehren des Buddha.
Und genau
dieses Gefühl hat David Michie in seinem Buch „Die Katze des Dalai Lama“
wunderbar eingefangen.
Im harten,
stressigen Alltag bleibt heutzutage kaum Zeit für das Nachdenken über
Sinnfragen des Lebens und so wird das Thema Spiritualität nicht selten mit
einem Lächeln abgetan. Doch genau dieses wird einem ebenso auf die Lippen
gezaubert, begleitet man die „Katze seiner Heiligkeit“ (kurz KSH) in diesem
Buch über ihr Leben an Seiten des Dalai Lama.
Mit der
Katze als Ich-Erzähler erzielt der Autor gleich mehrere Effekte.
Zum einen nimmt
man wohl ihr als einen der wenigen Tiere ab, dass sie tatsächlich in der Lage
ist, sich mit der buddhistischen Lehre zu beschäftigen, denn Katzen gelten
schon seit Urzeiten als weise (wem traut man die Erleuchtung wohl sonst zu, als
einer im Sonnenlicht badenden, selig vor sich hin schnurrenden Katze ;) und
wird somit nicht lächerlich, dass ausgerechnet ein Tier dem Menschen die
Lektionen nahe bringen soll. Gleichzeitig sind ihre „Probleme“ völlig mit der
bekannten Natur einer Katze vereinbar und es erscheint glaubwürdig, dass sie
rein zufällig denen ihrer menschlichen Begegnungen ähneln, sodass sich auch
kein Leser gleich angegriffen fühlen muss, sollte doch eine unschöne
Eigenschaft zusprechen kommen, die ihm vielleicht auch zu eigen ist. Zeitgleich
hat es auch einen motivierenden Einfluss, denn wenn eine Katze in der Lage ist
diese Erkenntnisse aus den Situationen, und mögen sie anfangs noch so schwierig
erscheinen, zu ziehen, dann ist man es als Mensch doch erst recht, oder?
Zum anderen
hat man durch die Katze als Protagonisten noch einen weiteren Vorteil: sie
vermittelt Alltäglichkeit, denn Katzen gibt es wie Sand am Meer. Somit dient
sie als Bindeglied zwischen Realität und Spiritualität und zeigt dem gewillten
Leser, dass die buddhistischen Lebensweisheiten nicht so hochtrabend und fern
sind, wie sie einen vielleicht erscheinen mögen, sondern dass sie sie uns in
vielen täglichen Situationen begegnen und helfen können, wie eine schnurrende
Katze die sich einem traurigen Menschen aufmunternd um die Beine schmiegt.
Dadurch wird
die „Katze des Dalai Lama“ eben auch nicht zum Lehrbuch über den Buddhismus,
denn die vielen Weisheiten und Ratschläge kommen verpackt in unterhaltsamen
Geschichten, über deren Bedeutung man sich zusammen mit der KSH erst einmal
bewusst werden muss. So fühlte ich mich zu jeder Zeit gelehrt, aber zu keinem
Zeitpunkt belehrt, was vielen sicher helfen wird sich eher Dinge anzunehmen.
Und es
wirkte ebenso zu keiner Zeit wie eine Werbebroschüre für den Buddhismus, obwohl
man viel Einblick auch in die praktische Umsetzung dieser Lebenseinstellung
erhält.
Durch die
besondere Sichtweise lernt man auch die Arbeitsweise im Tempel des Dalai Lama
kennen, die mich mit ihrer Moderne doch erstaunt hat, der Buddhismus somit
seine „Verstaubtheit“ völlig verliert und man doch den Eindruck gewinnt, dass
er auch wunderbar in die moderne Zeit integrierbar ist. Nicht zuletzt ist es
auch der Dalai Lama, dem man auf ganz besondere Weise kennen lernt, denn da man
praktisch mit der KSH auf seinem Schoß sitzt und ihn ganz privat erlebt,
verliert man zwar nicht den Respekt, aber ein wenig die zurückhaltende
Ehrfurcht vor ihm als öffentliche Leitfigur des Buddhismus. Sollte ich also je
die unwahrscheinliche Gelegenheit haben den Dalai Lama über den Weg zu laufen,
hätte ich nach dem Lesen dieses Buches garantiert keine so große Hemmschwelle
mehr, mit ihm ein Gespräch anzufangen (wahrscheinlich müsste ich mich eher
zusammen reißen mich nicht auf seinem Schoß zusammen zurollen ;) ).
Natürlich
kann es nur einen Einstieg in die vielfältigen Themen und deren Lehren geben,
wer also eine Interpretation zu buddhistischen Lehrtexten sucht, der ist hier
fehl am Platz. Und obwohl das Buch demnach eher etwas für Einsteiger in diesem
Gebiet ist, denke ich, dass es sich auch für „Experten“ eignet, denn es bleiben
abgesehen von den Erkenntnissen, schön erzählte und zum Teil der amüsante
Geschichten und manchmal ist es durchaus nicht schlecht sich wieder auf die
Grundlagen zu besinnen, wie man an einer Figur des Buches auch hervorragend
erkennen kann.
Auch wer mit
Spiritualität gar nichts am Hut hat, für den bleiben süße Katzengeschichten,
die einem im Gegensatz zu manch anderer Lektüre, ganz unbewusst sinnvoll die
Zeit vertreibt.
Obwohl der
Schreibstil im Großen und Ganzen zwar gehoben, aber sehr flüssig, oft sehr
witzig ist und, wer genauer liest, auch mit ironischen Tönen daher kommt und
man deshalb recht schnell durch ist, sollte man es nicht als Pausenfüller
behandeln, denn nur wer sich auch die Zeit nimmt, sich auf das Gelesene
konzentriert, es wirken lässt und darüber Nachdenkt, wird das volle Potenzial
des Buches erkennen und nutzen können, um auf seinem persönlichen Weg zum Glück
vielleicht einen Schritt weiter kommen.
Auch wenn
viele der „problembehafteten“ Charaktere augenscheinlich sehr stereotypisch
sind, sind sie nicht minder liebevoll gestaltet und eben weil sie so typisch
sind, verkörpern sie im Grunde oft ein breitgefächertes Problem, bei dem sich
vielleicht mehr als nur eine Personengruppe widererkennen kann. Und obwohl
ihnen allen sehr deutlich ihre Schwächen vor Augen geführt werden, so geschieht
dies nie tadelnd und eine Veränderung geschieht stets nach einer
Selbsterkenntnis, sodass dies die besten Beispiele sind, sich selber einmal
einen Spiegel vorzuhalten.
Einziger
Kritikpunkt den ich überhaupt an dem Buch finden konnte, sind die doch recht
häufigen Fremdwörter, die meist nicht erklärt werden. Obwohl sie mich an sich
überhaupt nicht gestört haben, denn wenn ich sie wirklich gar nicht kannte,
waren sie auch nie essentiell für das Verstehen der Geschichte, kann es doch
sein, dass der ein oder andere unangenehm darüber stolpert. Auch buddhistische
Begriffe werden nicht immer sofort erklärt, sodass man schon eine gewisse
Sorgfalt beim Lesen braucht, um sie bei der späteren Erklärung nicht schon
wieder vergessen zu haben.
Dennoch hat
das für mich keinen negativen Beigeschmack erzeugt.
Vielleicht
wird auch der ein oder andere der sich beim Kauf des Buches auf Grund des
Klappeninnentextes erhofft hat, vielen Prominenten zu begegnen und noch ein
paar Neuigkeiten über sie zu erfahren, etwas enttäuscht sein, denn so viele
sind es letztendlich gar nicht und der Fokus liegt auch nie auf der Person
selber. Ich fand das allerdings sehr angenehm, denn mich interessieren Promis
nicht wirklich und für mich hat eine Erkenntnis von ihnen nicht mehr Wert, als
die eines einfachen Arbeiters.
Fazit:
Obwohl das
Buch aktuell gar nicht auf meiner Wunschleseliste stand, bin ich doch mehr als
froh es gelesen zu haben, denn die KSH hat sich in mein Herz geschnurrt und
neben Haaren auch buddhistische Lebensweisheiten an mir zurückgelassen.
Natürlich hat das nicht mein Leben sofort umgekrempelt, dennoch tut es mir
jetzt schon gut einfach in manchen Situationen den Ratschlag zu befolgen,
einmal die Sichtweise zu wechseln. Auch verspüre ich nach der Lektüre nicht den
Wunsch Buddhist zu werden, aber das Schöne ist, darum geht es dem Buch auch gar
nicht und das nimmt man ihm auch ab.
Ein durch
und durch wundervolles und anregendes Buch.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Die Katze
des Dalai Lama“ ist ein Buch für Menschen, die etwas über den Buddhismus
erfahren möchten, ohne sich gleich mit komplizierten Texten konfrontieren zu
müssen, aber auch für solche, die mit diesem Thema gar nichts am Hut haben oder
gar bereits Experten sind und einfach schöne Geschichten suchen. Es ist für
Katzenliebhaber und auch für solche, die diese Tiere nicht mögen, denn auch sie
werden sehen, wie ähnlich sie uns in vielen Dingen doch sind. Es ist für
Menschen die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens oder dem Glück sind, aber
auch für alle, die sich glücklich wähnen und noch gar nicht wissen, dass sie
auf der Suche sind. Es ist etwas für zur Ruhegekommene und für solche, die sich
danach sehen. Es ist für Jung und Alt – kurz um, eigentlich für alle!
Taja
