~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Französisch Backen“ ist das neuste Buch der
Foodstylistin/Food-Bloggerin/TV-Köchin Aurélie Bastian und erschien im März
2017 beim Südwest Verlag. Auf 176 Seiten stellt die gebürtige Französin ihre
Lieblingsrezepte quer durch die französische Backkunst vor, die vor allem ein
Ziel verfolgen – in möglichst wenig Zeit und ohne große Backschlachten kleine
Meisterwerke zu zaubern, die einen Einblick ins französische Lebensgefühl
geben.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Im Buch sind neben Tipps und Tricks vielfältige
Rezepte zu den Bereichen „Petit déjeuner“ (Frühstück), „Pâtisseerie“ (Gebäck),
„Goûter“ (Kaffeezeit) und „Grandes occasions“ (Besondere Anlässe) enthalten.
Diese Einteilung ist etwas unüblich, aber durchaus gut, weil sie zum einen mal
etwas Abwechslung bietet und zum anderen auch gleich einen Eindruck vom
französischen Lebensstil vermittelt, da man z.B. mitbekommt, dass die Franzosen
nicht nur das klassische Croissant, sondern durchaus auch Brot und anderes auf
dem Frühstückstisch haben.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover des Buches zieren natürlich typische
französische Gebäcksorten wie Croissant und Macaron, die farbenfroh und äußerst
appetitlich präsentiert, gleich Lust machen, die Rezepte auszuprobieren, in der
Hoffnung ebensolche Ergebnisse zu erzielen. Dabei finde ich es sehr positiv,
dass tatsächlich die Backwaren das komplette Bild einnehmen und nicht noch die
Autorin oder deren Namen die Hälfte ausfüllen, was mir schon auf den ersten
Blick den Eindruck vermittelt: hier geht es ums Backen und nicht darum die
Person zu protegieren.
Und genau das spiegelt sich auch im Innenleben wieder.
Jedem Gebäck ist ein Bild gewidmet, dass über die ganze Seite geht. Natürlich
hätte man die Abbildungen auch kleiner machen können und dafür noch zehn
Rezepte mehr mit reinpacken können, aber ich finde, dass die Speisen mit so
viel Liebe zum Detail abgelichtet wurden, dass es schade drum gewesen wäre, sie
nur in eine Ecke zu quetschen. So kann man sich der Speichelflusserregenden
Wirkung der Bilder kaum entziehen und denkt sich: „Das sieht so lecker aus, das
muss ich unbedingt nachbacken. Und das … und das …“
Sehr gut ist auch die zusätzliche Bild-für-Bild-Erklärung
bei einigen Rezepten, wo die bloße Formulierung vermutlich schnell zu
Fehlinterpretationen führen kann. Hier hätte ich es allerdings noch besser
gefunden, wenn die Bilder nummeriert gewesen wären. Im Grunde ist es zwar auch
so gut nachvollziehbar, aber in der Hitze des Backofens kann es schon mal
passieren, dass man den Faden verliert.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Französisch Backen“ ist bei Weitem nicht das erste
Backbuch in meinem Regal, aber so ziemlich einzige, was wirklich Spaß gemacht
hat, es einfach nur zu Lesen, denn die Autorin legt einen unglaublich lockeren und
kreativen Schreibstil an den Tag, wie ich es bei einem Backbuch nie für möglich
gehalten hätte. Nicht nur, dass man sich durch den kleinen Einführungstext, in
dem die Autorin jedes Mal eine persönliche Erinnerung oder gute Tipps zu dem
jeweiligen Backwerk teilt, schnell so fühlt, als plaudere man gerade beim
Kaffeetrinken mit einer guten Freundin über das Backen. Nein, auch die Rezepte
selber sind fernab „altgebackener“ Standardphrasen mit einfacher Satzstruktur
und erfrischender Wortwahl formuliert. Endlich mal jemand, der ganz klar sagt,
dass aus Eigelb und Zucker kein weißer Schaum wird, sondern die Masse einfach
nur heller wird.
Die Tipps und Tricks sind auf jeden Fall einen Blick
wert, weil sie gut verständlich erklärt sind und gerade noch nicht so versierten
Bäckern wirklich hilfreiche Antworten auf oft gehörte Fragen liefern.
Den ausschlaggebenden Punkt, warum ich mich mit dem
Buch wirklich wohl gefühlt und auch ohne Zögern Rezepte ausprobiert habe, war
der Fakt, dass die Autorin immer wieder deutlich gemacht hat, dass sie selbst
die Rezepte solange verändert hat, bis sie ihren Geschmack getroffen haben und
den Nachbäcker ebenfalls dazu ermutigt, sich auszuprobieren. Die Macarons
d’Aurélie hätte ich sicher erst in ein paar Wochen ausprobiert, denn ich hatte
weder Lavendelblüten zur Hand noch mag ich weiße Schokolade. Aber da oben
drüber stand, man solle seiner Fantasie unbedingt freien Lauf lassen, habe ich
halt kurzentschlossen aus dunkler Schokolade Ganache mit Himbeeren gemacht. Die
entstandenen Macarons waren zwar äußerlich nicht perfekt, aber superlecker. Und
nicht mal der optische Makel tat der Backfreude Abbruch, denn da in den
Rezepten genau erklärt ist, welche Schritte warum wichtig sind und welche
Konsequenzen ein Fehler dort haben kann, wusste ich hinterher gleich, was genau
ich falsch gemacht hatte und muss das Rezept nicht mehrfach ausprobieren, um es
dann frustriert zu lassen, weil ich einfach nicht herausfinde, wo das Problem
liegt.
Genau wie in der Beschreibung versprochen sind die Rezepte
darauf bedacht, den Aufwand und zeitlichen Anspruch möglichst gering zu halten
und trotzdem authentische französische Backwaren zu erzeugen. Da mag es
vielleicht verwunderlich erscheinen, wenn ein paar davon dann doch über zwei
Seiten gehen oder man eben nicht nach einer Stunde fertig ist. Dazu muss aber
gesagt sein, dass die französische Küche eben nicht die einfachste ist und
manche Sachen eben nicht noch mehr runtergebrochen werden können. Also wer fünf
Minuten Anleitungen erwartet, ist mit diesem Buch falsch bedient.
Als i-Tüpfelchen hätte ich es allerdings noch gut
gefunden, wenn es bei manchen nicht ganz so gebräuchlichen Zutaten wie z.B.
Orangenblütenwasser eine Empfehlung gegeben hätte, wo man es üblicherweise
finden kann (gut sortierter Supermarkt/Feinkostladen/Internet ect.) damit dem
Backneueinsteiger nicht schon vor frustrierender Suche nach den richtigen
Zutaten die Lust auf die Rezepte vergeht.
Und gerade bei diesem Thema hätte ich noch eine
Tabelle mit der Lautumschreibung der Gebäcknamen angefügt. Da ich Französisch
gelernt habe, kam ich mit allen Begriffen super klar, aber für alle Unkundigen
könnte es zu einer Blamage führen, wenn sie ihr perfekt gelungenes Meisterwerk
in großer Gesellschaft vorführen, aber es genauso aussprechen, wie man es liest
;)
Fazit:
Aurélie Bastian hat es mit „Französisch Backen“
geschafft, mich wirklich für ein Backbuch und die französische Backwelt an sich
zu begeistern. Die Rezepte sind vielfältig und erfrischend geschrieben.
Besonders überzeugt haben mich nicht nur die leckeren Ergebnisse, sondern vor
allem auch, dass man in jedem Satz und Foto die Liebe der Autorin spürt und sie
einem ganz offen dazu ermutigt die Rezepte zu variieren, bis man es zu seinem
persönlichen Lieblingsrezept gemacht hat.
Die Anleitungen waren für mich gut nachvollziehbar und
führten dank spezifischer Ratschläge zu schneller Fehleranalyse, sodass trotz
nicht perfekter Ergebnisse keinerlei Frustration entstand.
Alles in allem, ein absolut empfehlenswertes Backbuch
und wenn alle anderen Bücher der Autorin im selben Stil sind, werden sie
bestimmt demnächst ebenfalls in mein Küchenregal einziehen ;)
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Für alle, die
sich schon immer mal wie ein französischer Pâtissier fühlen und sich dabei
nicht nur auf Croissants und Macarons beschränken wollen, ist das Buch absolut
empfehlenswert. Dabei sind Rezepte unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade dabei,
sodass man auch als nicht so versierter Bäcker vielfältige Leckereien auf den
Tisch bringen können sollte.
Wer jedoch das erste Mal den Backofen anwirft, der
sollte sich vielleicht erst an ein paar einfacheren Rezepten ausprobieren, denn
zu manchen Dingen brauch man ein gewisses Feingefühl, das oft mit Erfahrung
kommt. Das hat aber nichts mit dem Buch zu tun, sondern liegt eher am generell etwas
gehobenen Anspruch der französischen Backkunst.
Taja
von den Librellis (ehemals Nickypaulas Bücherwelt)
