~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Magic Guardians – Der Fluch des Greifen“ erschien Anfang September beim
cbj Verlag. Es ist das Debut von Todd Calgi Gallicano und der fantasievolle Auftakt
der „Sam London“-Reihe, zu der es im Englischen bereits einen zweiten Teil
gibt.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Der 12-jährige Sam London ist ein
Durchschnittstyp und nicht gerade glücklich damit. Als er widerholt von einem
Greif in der Wüste träumt, hat er das Gefühl, dass dies etwas zu bedeuten hat.
Er folgt seiner Intuition ins Death Valley und steht tatsächlich bald vor einem
echten Greifen. Ehe er sich versieht, entdeckt er eine neue Seite der normalen
Welt, denn er kann plötzlich magische Wesen sehen, die normalerweise von einem
mächtigen Zauber verborgen mitten unter uns Menschen leben. Doch der Frieden,
der dank dieser Unwissenheit über die Jahrhunderte erhalten wurde, ist in
Gefahr, denn nicht alle Wesen sind mit dem „Fluch des Greifen“ einverstanden.
Und so wird Sam schnell zu einem begehrten Ziel für verschiedene Parteien, denn
immerhin ist er „der Junge, der den Greif gesehen hat“. Mit einem Mal steckt
Sam mitten in einem Abenteuer, das ihn in ferne Länder und so manche
Gefahrensituation führt. Doch er und seine Gefährten vom Institut für magische
Wesen geben alles dafür den Status Quo der Welt der Fabelwesen zu erhalten.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und
Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover ziert ein
majestätischer, roter Greifenkopf, (bzw. ein Raubvogelkopf, denn wenn es der
Greif aus der Geschichte sein sollte, hätte er weiße Kopffedern haben müssen…)
dessen Auge im wahrsten Sinne des Wortes ein absoluter Blickfang ist. Die
Schrift ist in silbern mit einer abstehenden Prägung gehalten, was dem Ganzen
einen edlen Stil verpasst. Ich mag das Cover, da es auf jeden Fall ins Auge
fällt und Spannung verspricht, für ein Kinderbuch ab 10 Jahren finde ich es
aber fast schon ein wenig zu ernst und düster gehalten. Für diese jüngere
Altersgruppe und in Anbetracht, dass es eine Reihe wird, wäre vielleicht das
englische Cover ansprechender gewesen, da es farbenfroher ist und damit
kindgerechter wirkt. Da die Leseempfehlung bis 99 Jahre geht, ist das stilvollere
deutsche Cover wohl auf eine größere Bandbreite an Lesern ausgelegt.
Die innere Gestaltung ist auch sehr ansprechend, vor allem das angefügte
Glossar mit Bildern der auftauchenden mythischen Wesen, und die Schriftgröße
ist für alle Altersklassen sehr gut zu lesen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Story:
Bücher in denen mythische Tiere eine Rolle spielen und doch in unserer
Realität existieren, gibt es mittlerweile zu Hauf und es ist schwer da etwas
vollkommen Neues zu kreieren. Todd Gallicano hat sich mit seinen „Magic
Guardians“ dabei mächtig ins Zeug gelegt und es tatsächlich geschafft seine
Welt um das Institut für magische Wesen (IMW) sehr stimmig in unsere Welt zu
integrieren. Dabei finde ich es vor allem sehr schön, dass Natur und Nationalparks
eine große Rolle spielen. Der Autor hat sehr viel Liebe zum Detail und
Kreativität in seinen Weltenbau gesteckt, sodass es wirklich viel Spaß macht
diese mit Sam zu erkunden. Mir gefiel besonders, dass hier nicht nur die
allseits bekannten Fabelwesen wie Greif oder Troll ins Spiel kamen, sondern
auch jede Menge eher unbekannter Kreaturen aus Mythologien verschiedenster
Länder.
Allerdings gab es ab und an ein paar kleinere Punkte im Weltenbau, die für
mich nicht so richtig Sinn ergaben, was aber auch daran liegen kann, dass
manche Thema noch nicht ausreichend erläutert wurden.
Den grundlegenden Storyverlauf fand ich auch sehr interessant und gut
durchdacht. Tatsächlich war mir der Umfang für ein Kinder/Jugendbuch aber etwas
zu viel, vor allem da es mit der Spannung oft nicht schnell genug bergauf ging
(obwohl ich eigentlich langsamere Geschichten bevorzuge, zogen sich manche
Episoden gefühlt ewig). Es gab viele Wendepunkte, die, wenn man aufmerksam
liest, aber oft nicht ganz so überraschend kamen, wie es der Autor
wahrscheinlich gern gehabt hätte. Die ganzen Verstrickungen sind zwar gut
gesetzt, ich habe aber die Befürchtung, dass es für die jüngere Leserschaft
vielleicht schon einen Ticken zu viel Intrige war.
Leider erschienen mir einige Szenen und vor allem Dialoge auch sehr
gezwungen. Der Prolog war äußerst interessant gewählt, aber die ersten Kapitel
waren für mich nicht besonders überzeugend, da mir Sams Ausflug ins Death
Valley viel zu konstruiert war und viele Handlungen der Charaktere für meinen
Geschmack einfach zu weit hergeholt waren. Es besserte sich in der Mitte des Buches,
wurde zum Ende hin aber wieder etwas abstruser, weil ich den Eindruck hatte,
dass sich der Autor zu sehr bemüht hat etwas Einzigartiges und
Abwechslungsreiches zu erschaffen. Dabei entstanden aber meiner Meinung nach
eine Reihe Logikfehler, über die ich nicht mehr hinwegsehen konnte (z.B.
mystischer Riesenvogel fliegt von Tibet nach Amerika 5 Minuten, von Amerika bis
nach Frankreich braucht er aber 2 Stunden?).
Eigentlich sehr schade, denn es steckt viel Potenzial in der Story.
Schreibstil:
Was die storytechnischen Mankos oftmals negativ unterstützt hat, war leider
der sehr wechselhafte Schreibstil des Autors. Zum Großteil ließ es sich gut und
flüssig lesen, und es gab öfters eine Prise Humor oder saloppe Ausdrücke zum
Auflockern. Allerdings wartete er dann an den unpassendsten Stellen mit völlig
unnötigen Fremdwörtern und mächtigen Satzkonstrukten auf, die ich zwar genauso
schreiben würde, weil ich Schachtelsätze liebe, aber für meine Begriffe bei
einer Altersempfehlung ab 10 Jahren nichts zu suchen haben. Dafür war an
einigen Stellen das Geschehen beschreibungsmäßig so knapp herunter gebrochen,
dass weder richtig Spannung aufkam, noch man richtig in die Szene oder
Charaktere eintauchen konnte, weil oft Sinneseindrücke oder Zwischenschritte
komplett weggelassen wurden.
Etwas schwierig war auch die Wahl der Erzählperspektive, denn auch wenn es
sehr vorteilhaft ist bei einer solch komplexen Geschichte die Sicht wechseln zu
können, empfand ich den auktorialen Erzähler hier als eher unpassend, da er
leider das Gefühl erzeugte, dass man gar nicht so richtig am Geschehen
beteiligt ist und damit auch eine große Distanz zu den Charakteren verursachte.
Ein wechselnder personaler Erzähler hätte es in meinen Augen hier fesselnder
rübergebracht.
Auch ein Fall von „gut gedacht – schlecht umgesetzt“
sind die eingewobenen Fallakten. Der Autor wollte damit sicher auch optisch
einen neuen Weg gehen und die Geschichte damit auflockern, leider ist das in
meinen Augen völlig nach hinten losgegangen. Erstens hätte er es konsequent
einbauen sollen, und nicht in den ersten Kapiteln gehäuft und dann so gut wie
gar nicht mehr. Und zweitens fand ich den benutzten Schreibstil für eine
Fallakte völlig sinnfrei. Er hat zwar im Vorwort erklärt, dass die ja zu
trocken wären und er es demnach umgearbeitet hat, aber jetzt sind sie leider einfach
nur eine Ansammlung an für die Story völlig unnötigen Informationen, die
einfach nur den Lesefluss stören.
Charaktere:
Der Autor hat sich bemüht einen normalen und sympathischen Protagonisten zu
erschaffen mit dem sich Kinder und Jugendliche gut identifizieren können. An
sich ist ihm das mit Sam sogar weitestgehend gelungen, denn auch wenn ich
überhaupt keine Bindung zu ihm aufbauen konnte, ging er mir zumindest nicht die
ganze Zeit auf die Nerven. Die fehlende Bindung, auch bei allen anderen Charakteren,
resultierte dabei leider aus der erzählerischen Perspektivdistanz, sowie der in
meinen Augen äußerst unzureichenden Gefühlsdarstellung von Sam und Co. Ja gut,
er ist ein 12-jähriger Junge, da beschäftigt man sich vielleicht nicht ständig
mit Gefühlen, aber es kam oft von ihm der Satz „meine rationale Seite sagte
mir…“ und es war ok, dass er an viele Dinge logisch ranging und ich lasse es
auch durchgehen, dass ausgerechnet er immer die megagenialen Einfälle hatte,
die ihm zum Held machten, aber mir fehlte ein Punkt seiner Emotionen leider
komplett: seine Begeisterung. Das er vor vielen Neuentdeckungen in der
Geschichte Angst hat, ist völlig nachvollziehbar, aber er ist an mythischen
Tieren interessiert und plötzlich eröffnet sich diese Welt für ihn und er nimmt
das alles ziemlich neutral hin und stellt in Gesprächen auch nur die logischen
Fragen, um die Geschichte voranzutreiben. Mir fehlt für lange Zeit seine
Eigeninitiative, was ihn für mich einfach viel uninteressanter macht, als die
Tatsache, dass er keine besonderen Fähigkeiten hat. Die anderen wichtigen
Charaktere sind zwar vielfältig, äußerlich gut beschrieben und könnten
Sympathieträger sein, aber leider erging es mir mit ihnen genauso wie mit Sam.
Fazit:
Mythische Wesen, ein dafür zuständiges Institut, ein normaler Junge, der
plötzlich bis zum Hals in Abenteuern steckt – der Klappentext versprach ein
spannendes Buch mit jeder Menge Fantasie. Letzter Teil hat sich tatsächlich
auch erfüllt und allein dafür lohnt sich das Lesen. Leider haperte es an vielen
Stellen ein wenig mit der Spannung und für mich gab es auch ganz klare Mankos
in der Charakterdarstellung.
Da mich auch der Schreibstil nicht fesseln konnte, gibt es leider nur 3 von
5 Punkten.
Ich denke aber, dass es bei mir vor allem eine Frage des Alters war, dass
mich die eigentlich gut gedachte Geschichte in der Umsetzung nicht überzeugen
konnte. Allein um der weiteren Erkundung der kreierten Welt der Fabelwesen und
dem IMW würde ich die Reihe aber tatsächlich sogar weiterlesen wollen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
~ Wem würde ich das Buch
empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Kinder und Jugendliche von 10 bis vielleicht 16 Jahre, die sich für
mystische Wesen und abenteuerliche Geschichten interessieren, werden an diesem
Buch sicher ihre Freude finden. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich wirklich
eine Geschmackssache, ob einen die Geschichte noch gefangen nehmen kann. Da ich
den Vergleich leider schon öfter gelesen habe – mit dem Stil von Rick Riordan
hat das Ganze wirklich wenig zu tun.
Taja
von den Librellis
(ehemals Nickypaulas Bücherwelt)
