Hallo ihr Lieben :)
Heute gibt es eine sehr ausführliche Rezension zu Eona- Drachentochter.
Diese Rezension stammt aus Tajas Feder, die öfters mal schriftliche
Rezension zum Blog beiträgt.
Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und Entdecken von Eona :)
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Im Reich der Himmlischen Drachen liegt das Geschick des Landes nicht nur in
den Händen des Kaisers, sondern auch bei den 12 Drachenaugen, die besondere
Kräfte aus der Verbindung mit einem der 12 Tierdrachengeister schöpfen. Um ein
solches Drachenauge zu werden, ist nicht nur jahrelanges hartes Training
erforderlich, sondern auch die Gabe der Drachensicht.
Besonders stark ist diese bei der 16-jährigen Eona ausgeprägt. Zu dumm nur,
dass es dem weiblichen Geschlecht bei Todesstrafe verboten ist, sich für das
Amt des Drachenauges zu bewerben. Und so blieb Eona und ihrem Meister nichts anders
übrig, als sie als Jungen „Eon“ verkleidet in den Kreis der Anwärter zu
schmuggeln.
Doch trotz ihrer besonderen Gabe stehen Eonas Chancen eher schlecht, als
Lehrling des diesjährigen Rattendrachens erwählt zu werden, denn ihre kaputte
Hüfte macht ihr bei der Beherrschung der Schwertkunst immer wieder Probleme.
Außerdem steht sie den Plänen des ehrgeizigen Lord Ido im Weg und so wird
die Auswahlzeremonie für sie zum Desaster. Als alles verloren scheint, passiert
dann aber etwas Unglaubliches und ehe sich Eona versieht, nimmt sie eine ganz
besondere Rolle im Kaiserpalast ein.
Doch die Freude über das Erreichen ihres Zieles währt nicht lange, denn
kaum hat sie begriffen, dass sie nun Lord Eon ist, steckt sie auch schon mitten
in den Ränkespielen des Hofes und muss nun umso mehr aufpassen, nicht entlarvt
zu werden. Denn inzwischen hängt nicht nur ihr Leben davon ab, dass sie ihre
neue Rolle schnell zu beherrschen lernt.
Umso größer ist der Schreck, als sie feststellen muss, dass etwas schief
gelaufen ist und sie gar nicht über die so dringend benötigte Macht verfügen
kann.
Und so beginnt für Eon neben dem Überleben in den Machtspielen des
kaiserlichen Hofes, auch noch die Suche nach den uralten Geheimnissen der
Energiedrachen, bei der sie sowohl Feinde, als auch Gefährten findet und die zu
einem ganz anderen Ende führt, als sie selbst vermutet hatte…
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Im Gegensatz zu manch anderen Covern, wirkt das von „Eona“ auf den ersten
Blick etwas statisch, denn es ist „nur“ das von einem Schwert geteilte Gesicht
eines Mädchens und dennoch hat es der Künstler geschafft eine derartige Tiefe
in ihren Blick zu legen, dass mich das Bild vom ersten Moment an verzaubert
hat. Es spiegelt sehr gut Eonas innere Teilung wieder und ich habe tatsächlich
das Gefühl von zwei verschiedenen Wesen angesehen zu werden. Auf der rechten
Seite Eon, mit etwas härteren Gesichtszügen und eher starren und auf ein Ziel
fixierten Augen, auf der Linken die weichere Seite der vom Drachen beseelten
Eona mit durchschauendem Blick. Selten habe ich ein so einfaches und dennoch
aussagekräftiges Cover gesehen. Mein großes Lob an den Künstler.
Was die Beschriftung angeht, hätte ich es allerdings bevorzugt, wenn man
auch bei der deutschen Ausgabe auf die englische Betitelung des ersten Bandes
zurückgegriffen hätte, denn dort heißt der erste Teil „Eon“ und der zweite Teil
erst „Eona“. Die Wandlung des Namens ist nun mal ein essentieller Bestandteil
der Geschichte und hätte dies auch optisch wiederspiegeln
können.
Etwas schade ist weiterhin, dass sich die Goldbeschichtung des erhabenen
Schriftzuges sehr schnell ablöst. Mein Exemplar hatte schon von Anfang an nur
noch sehr wenig, weshalb ich zunächst annahm, dass die beabsichtigt sei, um
einen altertümlichen Eindruck zu erschaffen, was an sich sehr gut zu dem Buch
passt. Als ich jedoch andere Exemplare sah, stellte sich dies als Irrtum heraus
und ließ erahnen, dass weiterer Abrieb trotz vorsichtiger Behandlung nicht
ausbleiben würde, was sich leider bewahrheitete. Es tut der Schönheit des
Covers zwar keinen Abbruch, hält mich dennoch ein wenig davon zurück das Buch
noch oft zu verleihen.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Klappentexte~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Die Beschreibung auf dem Buchrücken ist sehr spannend geschrieben und hat
„Eona“ für mich sofort interessant gemacht - mir allerdings durch die
Wahl bestimmter Wörter auch ein ganz anderes Erwartungsbild geschaffen. Da ich
auch der Darstellung auf dem Cover auf dem ersten Blick keine besonders
markanten „Nationalitäten“-Merkmale zugeordnet hatte, vermutete ich die Welt
von „Eona“ eher in einem europäisch-mittelalterlichen Flair, was öfter bei
Drachenstorys der Fall ist und war umso überraschter, als ich tatsächlich in
eine asiatisch angehauchte Welt hineingeworfen wurde. Für mich eine positive
Überraschung, denn ich interessiere mich sehr für dieses Gebiet. Wer damit aber
nicht wirklich etwas anfangen kann, wird vielleicht nach dem Kauf etwas
enttäuscht sein.
Außerdem musste ich beim Lesen des Buches feststellen, dass der hintere
Text tatsächlich inhaltlich nicht ganz korrekt bzw. einfach an manchen Stellen
etwas unglücklich formuliert und in einer Sache zu detailreich ist. Wer ein
absolutes Problem mit Spoilern hat, für den dürfte der hintere Klappentext doch
etwas von der Spannung nehmen.
Der vordere Klappentext ist dagegen zwar etwas knapper, aber unmissverständlicher.
Sehr gut und hilfreich fand ich die ersten drei Seiten mit den
Informationen zu den Drachen, denn gerade, wer sich nicht so gut mit dem
asiatischen Tierkreiszeichen auskennt, dem fällt es sicher damit leichter, sich
in der Welt der Energiedrachen und ihrer Drachenaugen zurecht zu finden.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Welt~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Wie von der Autorin selbst im Anhang klar gestellt, hat das „Reich der
Himmlischen Drachen“ zwar Anlehnungen an die asiatische Welt und Geschichte,
bezieht sich aber auf keine bestimmte Epoche oder reale Ereignisse. Diese
Kombination hat den Vorteil, dass man sich bei der Vorstellung schon an
gewissen Dingen orientieren kann, der Autorin aber natürlich viel Freiraum zur
Verfügung steht, Dinge nach ihrem Belieben zu verändern, um etwas Neues zu
schaffen. Und das gelingt ihr zweifelsohne grandios, denn Eonas Welt ist etwas
ganz Einzigartiges und zieht einen sofort in seinen Bann.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Sprache~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Vom ersten Satz an nahm mich Alison Goodmans Schreibstil gefangen, wie ein
erhaben dahin fließender Fluss, der mit seinem Wasser meine Fantasie nährte,
auf dass sich wunderschöne Landschaften und Szenerien fast wie von selbst vor
meinem geistigen Auge entfalteten.
Mit einer oft recht gehobenen Ausdrucksweise, die aber dennoch malerisch,
in keinster Weise gekünstelt wirkt und vor allem später zum höfischen
Handlungsort passt, beschreibt die Autorin liebevoll Eonas Sichtfeld und
Gedankenwelt.
Gerade Gegenstände werden oft bis ins kleinste Detail aufgezeichnet. Dem
Ein oder Anderen mag das vielleicht im Laufe des Buches sogar ein wenig zu viel
werden, besonders wenn man nicht viel mit asiatischer Kunst anfangen kann. Ich
fand es aber äußerst interessant und hat für mich auch gut Eonas Sichtweise und
Reaktion auf all den Prunk des Kaiserpalastes widergespiegelt, denn wer ein
eher einfaches Leben gewöhnt ist, für den ist auch nach dem zehnten Mal noch
jedes reich verzierte Schränkchen ein Grund zum Staunen.
Auch die doch recht häufig auftretenden Fremdwörter, die so gar nicht zu
Eonas Wortschatz und da zumeist französischen Ursprungs, auch nicht dem der
asiatischen Welt passen wollen, ragen aus dem Fluss heraus wie spitze Steine,
an denen sich so mancher vielleicht doch stößt, nicht unbedingt weil man nicht
ihre Bedeutung kennt, sondern weil sie wie Fremdkörper im sonst so harmonischen
Sprachfluss erscheinen. Man kann die Verwendung dieser Wörter durchaus
allerdings erklären, denn „fremde Teufel“ halten gerade Einzug in die Stadt und
so lässt sich dies bereits als erstes Anzeichen einer Vermischung der Kulturen
und der vom Kaiser forcierten Öffnung des Reiches gegenüber anderen Nationen
deuten. Wenn dies der Hintergrund ist, zeigt es umso mehr Goodmans
intelligenten Schreibstil, der auch bei wörtlicher Rede oft in einer sehr
bewussten Wortwahl und Satzkonstruktion der verschiedenen Charaktere zum Wirken
kommt.
Und noch etwas ließ zunächst etwas Verwirrung bei mir zurück: obwohl so
vieles immer wieder bis ins kleinste Detail beschrieben wird, habe ich am
Anfang eine etwas genauere Darstellung der Energiedrachen vermisst. Denn da
diese ja die Tierkreiszeichen verkörpern, wusste ich anfangs nicht genau, ob es
sich phänotypisch jetzt um bloße chinesische Drachen oder um Mischwesen mit dem
jeweiligen Tier handelt, wodurch zunächst allerlei seltsame und durchaus amüsante
Bilder zu den verschiedenen Drachen in meinem Kopf entstanden. Ein kleiner Satz
dazu hätte sicher vermieden, dass noch immer ein grau befellter Drachenkopf mit
übergroßen Nagerzähnen vor meinem geistigen Augen sein Unwesen treibt ;)
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Storyline~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Noch bevor man mit der eigentlichen Geschichte in Berührung kommt, gibt es
einen Auszug einer alten Schrift, die kurz das System der zwölf Drachen und
ihrer Drachenaugen und die wichtigsten Begriffe der Energiewelt erklärt, sodass
man auch einen guten Einstieg hat, wenn man vorher noch nichts mit dem
chinesischen Zodiac oder Feng Shui zu tun hatte.
Bereits hier wird klar, dass die Autorin sicher viel Arbeit investiert hat,
um ihrer Welt ein gut durchdachtes, logisches System zu Grunde zu legen, das
sich deutlich von Bekanntem abhebt und vor allem viel Raum für intelligente
Machtspiele lässt. Und obwohl man die Denkarbeit durchaus merkt, wirkt die
Geschichte doch in keinster Weise konstruiert oder mühevoll. Selbst die
kleinste Szene, die man gern mal eben vergisst, weil sie einem unwichtig
erscheint, bekommt irgendwann Bedeutung, Dies so geschickt miteinander zu
verknüpfen, ist etwas, was nicht viele Autoren können.
Wem einige Szenen vielleicht langweilig und unnötig erscheinen, der sollte
vielleicht nach dem Lesen noch einmal einen zweiten Blick riskieren, um die
Szene in der Gesamtkonstellation zu begreifen.
Sehr gut fand ich vor allem auch den Zeitpunkt des Einstiegs in die
Geschichte gewählt, nämlich kurz vor dem großen Event auf das Eon nun schon so
lange hinarbeitet. Dies ermöglicht einem zunächst die Grundsituation und vor
allem die Protagonistin und andere Charaktere besser kennen zu lernen, erzeugt
aber dennoch eine gewisse Grundspannung, da man trotz vieler kleiner
Zwischensequenzen in denen scheinbar nicht viel passiert, immer weiß, dass der
erste Höhepunkt der Geschichte kurz bevor steht. Hätte man sich erst mit ihr
durch die ganze Ausbildung kämpfen müssen, was sicher auch interessant gewesen
wäre, hätte sich vermutlich schnell ein ziemlicher Kaugummieffekt eingestellt.
So hat es Goodman geschafft, eine gute Balance zwischen Erklärungen,
Kennenlernen der Charaktere und Spannung zu erzeugen.
„Dank“ der Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken ist der Ausgang der
Auswahlzeremonie zwar bereits bekannt, dies tat dem der Neugier auf die
Szenerie für mich aber keinen Abbruch, da dennoch eine sehr interessante
Atmosphäre aufgebaut wird.
Danach folgt augenscheinlich erstmal ein ziemlicher Spannungsabfall, da
sich Eon nun erstmal mit dem höfischen Leben vertraut machen muss, wo es vor
allem um Etikette geht. Für mich war aber auch das nicht im Geringsten
langweilig, denn sofort nehmen die Machtspiele und Intrigen am Hof den Platz
der physischen Herausforderung ein. Allerdings muss man dieses wenig
actionreiche Geschehen auch als spannend empfinden können. Meine Sinne waren
jedenfalls umso geschärfter, um auch jede kleine Geste oder Bemerkung
aufzufangen, was für mich noch mehr Spannung schuf, als es ein Kampf oder
ähnliches hätte tun können.
Zugegeben, wer ein wenig mitdenkt, für den sind viele Dinge bereits sehr
frühzeitig offensichtlich. Im Gegensatz zu manch anderen Bücher hinterließ
dieser Fakt aber nicht wie sonst, ein tröges „Hab ich doch eh gewusst“-Gefühl,
sondern eher ein Triumphales nach dem Motto „Ha, ich hab dich durchschaut“.
Denn oft wusste ich zwar genau was geschehen wird, wie und an welcher Stelle es
dann aber passierte, war doch überraschend.
Im hinteren Teil kommt dann auch der auf seine Kosten, der rasante Handlung
und Kämpfe mag. Für mich kam die Einleitung zu diesem wichtigen Part aber fast
etwas zu abrupt und irgendwie wirkte es ein wenig, als wäre die Autorin etwas
in Platz- oder Zeitnot. An manchen Stellen habe ich die sonstige
Ausführlichkeit vermisst.
Dennoch ist es ein gutes Ende, mit einer etwas überraschenden und einer
lang ersehnten Charakterentwicklung, die eine hervorragende Grundlage für eine
ebenso spannende und lesenswerte Geschichte im zweiten Teil bildet.
Weiterhin für mich sehr löblich, ist der bisherige Verzicht auf eine Liebesgeschichte.
Zarte romantische Bande klingen zwar an, wären diesen aber in Teil Eins
erzwungen mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurden, hätte ich dies als äußerst
unpassend und charakterfern empfunden.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Charaktere~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Schon durch das System der zwölf Drachenaugen, ihrer Lehrlinge und dem
Kaiserpalast als Haupthandlungsort ist es vorprogrammiert, dass man auf sehr
viele Charaktere trifft. Dabei scheinen es oft viel zu viele Namen zu sein, die
für den eigentlichen Handlungsverlauf gar nicht wichtig sind und dennoch
verknüpft die Autorin die Meisten geschickt mit kleinen, liebevollen Details,
sodass man sie trotz der Fülle an Charakteren nicht so schnell vergisst und sie
eben nicht nur erwähnte Namen, sondern richtige Charaktere werden, auch wenn
sie Eonas Weg nur kurz streifen.
Alison Goodman wählte für „Eona“ die Ich-Erzählperspektive und obwohl ich
mich meistens eher schwer mit Werken dieses Stils tue, hatte ich hier überhaupt
keine Probleme mich mit der Protagonistin verbunden zu fühlen. Sei es der
Ähnlichkeit unserer Charaktere geschuldet, oder dem Fakt, das alles so
geschickt geschrieben wurde, dass ich eher den Eindruck hatte, die Geschichte
nicht direkt durch Eonas Augen zu erleben, sondern eher durch die eines
Geistwesens, das sich auf ihrer Schulter niedergelassen hat und nun zwar den
gleichen Blickwinkel hat, dennoch auch ein wenig darüber hinaus blicken kann,
um Dinge mitzubekommen, die Eona aus verschiedenen Gründen eben nicht sehen
kann.
Für mich hatte dies den entscheidenden Effekt, dass ich zwar hautnah Eonas
Gefühls – und Gedankenwelt mitbekam, mich ihr so schnell verbunden fühlte, es
ihr aber gleichzeitig nicht übel nehmen konnte, wenn sie etwas nicht sofort sah
oder verstand, was ich schon lang begriffen hatte. Bei anderen Charakteren
nervt mich dieser Fakt nämlich immer enorm und auch Eona hätte ich am liebsten
manchmal genommen und geschüttelt, weil sie die für die Lösung ihres Problems
so essentiellen Sachen einfach nicht wahrnahm. Doch ich konnte ebenso gut nachvollziehen,
warum sie in dem Moment nicht in der Lage war auf des Rätsels Lösung zu kommen.
Besonders gut fand ich, dass sie zwar von Anfang an wegen ihrer Gabe als
besonders dargestellt wurde und sie sich dessen schon bewusst war, es aber auch
klar war, dass ihr körperliches Leiden im Weg stehen und sie nicht einfach so
glatt durchkommen lassen würden. Gerade einem Charakter von dem auch viel
physische Belastbarkeit erwartet wird, wird selten eine Behinderung verpasst.
Zwar hat diese in Eonas Fall noch eine ganz andere und wichtige Funktion,
dennoch ist es der Autorin anzurechnen, dass sie ihrer Heldin auch ein
sichtbares Makel verpasst hat.
Des Weiteren macht es Eona sehr sympathisch, dass sie mehr als einmal
Fehler begeht und eben nicht die Auserwählte ist, die sich sofort ihrer
Berufung verschreibt und heroisch gegen die Feinde kämpft. Sehr lange bleibt
sie einfach nur ein Mädchen, dessen Hauptaugenmerk einfach ihr Überleben ist
und das im Grunde auch nie gelernt hat, eigenständig Dinge zu entscheiden. Hat
man dies im Hinterkopf, versteht man viele ihrer Reaktionen und Denkweisen
wesentlich besser und kann ihr selbst verzeihen, dass sie sich vor lauter Panik
so krass in einen völlig falschen Weg verrennt. Trotz aller Sympathie und
Verständnis bleibt Eon/Eona ein recht kontroverser Charakter, denn oft genug
klingen auch leise Wesenszüge an, die nicht gerade sehr nett sind. Aber genau
das macht sie eben auch zu einer guten und glaubwürdigen Protagonistin.
Wer sich allerdings nicht vollends auf sie und ihre besondere Situation
einlassen kann, der wird sicher einige Dinge, wie ihre zeitweise Lethargie oder
das zunächst hauptsächlich sehr fremdbestimmte Denken vielleicht negativ
empfinden.
Im Vergleich zu Eona spielen die zahlreichen Nebencharaktere rein
statistisch gesehen eine untergeordnete Rolle und wirken zum Teil zunächst nur
recht oberflächlich beleuchtet, obwohl einige von ihnen z.B. Lady Dela, Ryko
oder Lord Ido eine durchaus tragende Funktion haben. Und wenn man nicht genau
aufpasst, kann es auch passieren, dass sie einem bis zum Schluss recht
oberflächlich erscheinen, denn die Wesenszüge sind meist nicht durch klare
Beschreibungen der Autorin dargestellt, sondern werden in kleinen Andeutungen
oder Episoden verpackt, die man natürlich zu interpretieren wissen muss, um die
ganze Tiefe des Charakters zu begreifen. Manchmal ist es eine einzige, fast
unscheinbare Geste oder ein einzelner Satz, der den Charakter in ein völlig
neues Licht stellt und dies so unbemerkt einfließen zu lassen, ist wirklich
eine Kunst. Ich habe einige Nebencharaktere wirklich zu schätzen gelernt und
irgendwie hat es Alison Goodman sogar geschafft, dass ich Lord Ido, der sich
eigentlich durchweg als Ekelpaket gibt, doch zugestehen musste, dass er ein
guter Spieler ist und ihn, weit vor dem Ende, trotz seiner Brutalität nicht
mehr ganz so unsympathisch fand.
Egal ob Haupt- oder Nebencharakter, ich freue mich auf viele liebgewonnene
Charaktere und ihre Entwicklung im nächsten Teil.
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Fazit~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Eona“ ist eines der faszinierendsten Bücher die ich seit langem gelesen
habe, was nicht nur an der liebevoll und dennoch clever gestalteten Welt, einer
Heldin, in der ich mich sehr gut wiederfinden konnte und einer spannenden
Geschichte lag, sondern vor allem auch an ihrem wundervoll malerischen
Schreibstil und den vielen Dingen, die man zwischen den Zeilen lesen konnte.
Es ist eines der Bücher, die ihre Spuren nicht nur im Gedächtnis, sondern
auch in der Seele hinterlassen.
Für den, der bei einer Drachenstory unbedingt herumfliegende, physisch
anwesende Drachen braucht und der Spannung nur empfindet, wenn Schwerter
klappern, für den wird „Eona“ vielleicht tatsächlich eine Enttäuschung sein.
Auch wer sich nur von einer spannenden Geschichte berieseln lassen will, der
ist hier zum Teil auch fehl am Platz, denn viele Zwischentöne kann man nur
aufnehmen, wenn man zu interpretieren gelernt hat. Denn es ist fast so als
hätte die Autorin feine Fäden des „Hua“ in ihre Geschichte verwoben und somit
dieselbe Situation geschaffen, wie in ihrer Geschichte. Der, der nicht fähig
ist diese „Energien“ zu sehen, der liest einfach nur eine nette, vermutlich nur
zum Teil spannende Geschichte mit manchmal etwas oberflächlichen Charakteren.
Wer aber über die „Drachensicht“ verfügt, dem eröffnet sich noch eine ganz
andere, sehr vielschichtige Welt.
Für mich war jedenfalls jeder einzelner Satz eine Entdeckungsreise und ich
habe mich an keiner einzigen Stelle gelangweilt.
Einziges Manko: „Eona“ ist nur eine Duologie ;_;
Danke fürs Lesen!
Eure Taja von Nickypaulas Bücherwelt
Eure Taja von Nickypaulas Bücherwelt
